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Celle Ortsteile Restaurierung mit Liebe zum Detail
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Restaurierung mit Liebe zum Detail
11:48 27.01.2017
Annemarie und Hinrich Leithäuser haben ihren Traum vom Fachwerkhaus an der Aller realisiert. Bei der Sanierung setzten sie auf einen Mix von alten und modernen Baustoffen, ohne den Denkmalschutz außer acht zu lassen. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

Dabei hatten sie bereits mit Altbausanierungen Erfahrungen gemacht und wussten, dass alte Häuser Überraschungen in sich bergen. Aber: „Ich bin mit Blick auf die Aller geboren, mit Allerwasser getauft und habe Allerwasser getrunken“, sagt Annemarie Leithäuser ganz bewusst. Also war es keine Frage, dass sie sich das Haus in der Fritzenwiese kaufte. Obwohl: „Das Gras wuchs zur Haustür raus“, hatte Ehemann Hinrich schnell Handlungsbedarf erkannt. Zwei Jahre hatten sie für die Sanierung veranschlagt und zwei Jahre brauchten auch die Maurer, Zimmerer, Tischler, Elektriker, Fliesenleger und Klempner, um das Haus zu dem zu machen, was es jetzt ist.

„Wann schlaft ihr denn nun endlich da“, hätten ihre alten Nachbarn immer wieder gefragt, als die Leithäusers ihr Projekt angegangen sind. Im November vor zwei Jahren war es dann endlich soweit.

„Der Architekt und die Handwerker sind sehr wichtig“, sagt Leithäuser rückblickend. „Wir haben uns ganz bewusst für Celler und hiesige Betriebe entschieden und alle haben sehr gute Arbeit geleistet.“ Die Bauherrin und der Architekt hatten viele Ideen eingebracht, manche kamen aber auch während der Arbeiten. Da musste abgewogen werden, da mussten Kompromisse und Lösungsmöglichkeiten gefunden werden.

„Da ist der intensive Austausch wichtig – auch mit dem Denkmalschutz.“ Als Mediziner weiß er, was es bedeutet, Fachmann auf einem Gebiet zu sein. „Da lässt man keine berufsfremden Leute ran.“ Mit Liebe hätten die beteiligten Unternehmen ihre Werke vollendet. „Wir haben gemerkt, dass alle gern an dem Objekt gearbeitet haben“, lobt Annemarie Leithäuser die Handwerker.

Ein Vorbesitzer hatte vor Jahren schon mal renoviert. Treppenhaus, Fußböden , Fenster und die Haustür in dem 15 Meter breiten Haus wurden erneuert. Jetzt erfolgte die Kernsanierung. Aus vier kleinen Räumen wurden zwei große, das Räucherhaus des Fischers wurde erneuert, ein Zwischenbau neu gestaltet, Gauben im Dach des Hinterhauses errichtet. „Jetzt haben wir im Vorderhaus 56 Quadratmeter Wohnfläche im Erdgeschoss und 52 Quadratmeter oben, im Zwischenbau 20 und im Hinterhaus 55. Zusammen also 183 Quadratmeter Wohnfläche: Das ist reichlich für uns zwei Personen. Auch wenn Gäste kommen, treten wir uns nicht auf die Füße“, sind Leithäusers zufrieden.

Da Annemarie und Hinrich Leithäuser im gesamten Erdgeschoss des Hauses Fußbodenheizung haben wollten, waren erhebliche Eingriffe nötig. Also wurden dann auch die Fliesen erneuert. „Das ist jetzt auch barrierefrei“, freut sich Leithäuser. „Zumindest im Erdgeschoss ist alles auf einer Höhe.“

Die Lehmputzwände wurden ausgebessert und zum Teil erneuert. Defekte Balken und Gefache wurden ersetzt. Auch die Gästetoilette wurde ganz nach den Vorstellungen der Bauherren gestaltet. Hier sind hinter einer Art Glasvitrine Teile des ursprünglichen Lehmputzmauerwerks sichtbar. Der hohe grüne Kachelofen im Wohnzimmer ist grundüberholt worden.

„Nun können wir unserem Alter gemäß leben, so wie es unseren Wünschen entspricht“, sagt die Bauherrin und betont, dass sie Wert auf ihre Küche gelegt hat. Moderne Maschinen wurden in 300 Jahre alten Holzelementen aus Abbruchhäusern aus Skandinavien und Norddeutschland von einem Tischler eingebaut. „Es hat uns einige Mühe gekostet, die richtigen Hölzer zu finden, aber in Schleswig-Holstein sind wir fündig geworden.“

Die Liebe zu den Details ist an vielen Stellen erkennbar. So korrespondiert auch der historische Dielenfußboden mit neu verlegten alten Dielenbrettern aus historischer Herkunft. Wurmstichige Balken wurden in einem speziellen Hitze-Verfahren getrocknet und zu Bohlen verarbeitet und dienen jetzt als Trennwand unterhalb einer modernen Stahltreppe, die mit alten Holzbohlen belegt ist. Holländische handgefertigte Kacheln aus Abbruchhäusern verzieren Wände, ebenso wie kniehohe Paneele. Moderne Baustoffe mischen sich mit alter Bausubstanz.

„Uns war auch wichtig, dass wir keinen riesigen Garten haben“, sagt Annemarie Leithäuser. „Aber wir können bis zur Aller gucken.“ Und im Inneren des Hauses wird alles weiter wachsen – auch nach Jahren. Denn Bilder, Bücher und Beleuchtungselemente finden noch ihre Plätze: Gerade wird ein Kronleuchter in einem der Räume angebracht.

Von Lothar H. Bluhm