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Celle Ortsteile Rollstuhl-Comedian Tan Caglar überzeugt mit erstem Solo-Programm
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Rollstuhl-Comedian Tan Caglar überzeugt mit erstem Solo-Programm
17:51 07.09.2017
Von Jürgen Poestges
Tam Caglars Auftritt bei Kultur im Zelt auf dem Gelände der CD Kaserne Quelle: David Borghoff
Celle

Er erzählte frei von der Leber weg, was man so erlebt als Türke mit Behinderung. Zum Beispiel von einem Auftritt in Magdeburg. „Da war die Bühne zwei Meter hoch, und es gab keine Rampe. Zu Dritt haben die mich hochgehievt. Von meinen sieben Minuten, die ich zur Verfügung hatte, waren danach schon fünf vorbei.“

Auch im Alltag sei es nicht immer so einfach. „Wenn du als Türke mit einem dicken Wagen am Supermarkt auf einen Behindertenparkplatz fährst, sind die Reaktionen vorhersehbar.“ Kopfschütteln und abfällige Bemerkungen seien normal. „Zumal ich immer noch ein wenig im Auto sitzen bleibe und deutschen Hip Hop höre. Ich will mich ja richtig integrieren.“ Aber das Schöne sei: „Ich seh die meisten im Supermarkt wieder. Dann ist es ihnen ziemlich peinlich.“

Er erzählte munter aus seinem Leben. Vom ersten Besuch in der Disko, wo die Kumpels in der Schlange standen und er mit dem Rollstuhl von den Türstehern die Treppe heraufgetragen wurde. Von seiner großen Leidenschaft Rollstuhl-Basketball, er spielt in der 1. Bundesliga. „Wenn es gut läuft, sind zwölf Zuschauer da.“ Vom Treffen mit dem Alternativen Wolle oder seinem linken Nachbarn Benedikt - „Ich darf ihn Dickie nennen“ - der sich immer und überall für alles entschuldigt . Und von seiner Leidenschaft für Autos. „Aber kein Diesel!“. Und nachdem er dieses Thema 20 Minuten behandelt hat, erklärte er. „Es gibt nichts Schlimmeres als Türken, die stundenlang über Autos labern. Ich darf das sagen, ich bin selbst einer.“

Letztlich hatte er es geschafft, dass die Zuschauer seinen Rollstuhl gar nicht mehr beachteten. „Das will ich erreichen. Tut mir einen Gefallen, wenn ihr einen Rollstuhlfahrer seht: Kein Mitleid. Weil ihr nichts dafür könnt, dass er im Rollstuhl sitzt. Geht offen auf ihn zu, nur so haben wir Spaß miteinander.“

Sicherlich hatte das Programm noch einige Ecken, was bei der ersten Aufführung aber nicht problematisch war. Seine stärksten Momente hatte Caglar, wenn er auf sein Publikum reagierte. Im Zelt saßen Physio- und Ergotherapeuten, mit denen er sich vorher unterhalten hatte. „Das wird wohl mein Stammpublikum“, meinte er grinsend. „Die kommen so nach dem Motto: Bei dem muss ich ja nicht lachen, aber vielleicht kann ich ihm ja helfen.“

Unter dem Strich war es ein unterhaltsamer Abend, die Leute hatten ihren Spaß und Tan Caglar war stolz, den Abend gut über die Bühne gebracht zu haben.