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Celle Ortsteile Rommel ist am Mittwoch Thema im Ortsrat Klein Hehlen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Rommel ist am Mittwoch Thema im Ortsrat Klein Hehlen
18:18 17.03.2015
Von Michael Ende
Hitlers Lieblingsgeneral und Propaganda-Idol: Erwin Rommel.   Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. Welches Signal davon ausgehen würde, wenn der Klein Hehlener Ortsrat am Mittwoch nicht für die Umbenennung der Rommel- und Stülpnagelstraße votieren würde, das mag sich Mathias Pauls (SPD) lieber nicht vorstellen – immerhin würde der Ortsrat so demonstrieren, dass er nichts dabei findet, die beiden Nazi-Generäle auch weiterhin als Namenspatrone im „Widerstandsviertel“ zu dulden. Pauls: „Es würde in meinen Augen von einem erheblichen Mangel an politischer Sensibilität zeugen, wenn man es bei diesen beiden Straßennamen belassen würde. Es hat mir noch nie eingeleuchtet, warum nach Rommel und Stülpnagel Straßen benannt wurden.“

SPD und Grüne werden heute die Umbenennung der Rommel- und Stülpnagelstraße beantragen. Erwin Rommel, der als Intimus Hitlers galt, erlebte einen steilen Aufstieg. Die Glorifiziering der NS-Ikone als „Wüstenfuchs“ hat bis heute überlebt. Das von der Stadt Celle in Auftrag gegebene Gutachten von Dr. Bernhard Strebel sagt über ihn: „Generalfeldmarschall Erwin Rommel war ein überzeugter Anhänger und treuer Gefolgsmann Hitlers.“ Rommels Rolle im militärischen Widerstand gegen das NS-Regime sei zweifelhaft. Strebel spricht in seinem Gutachten davon, dass Rommel „unberechtigter Weise in Verdacht“ geraten sei, in das Attentat von 20. Juli 1944 verwickelt gewesen zu sein. Strebel kommt zu dem Schluss, Rommel wäre „zeitlebens in maßgeblicher Position loyaler Anhänger Hitlers“ geblieben. Zudem war Rommel 1943 in Italien mitverantwortlich für die Umsetzung verbrecherischer Befehle.

Im Gegensatz zu Rommel „gehörte General der Infanterie Carl-Heinrich von Stülpnagel 1938/39 und dann wieder 1943/44 zu den Stützen der Militäropposition gegen Hitler“, so Strebel. Gleichwohl war er als Oberbefehlshaber des Armeeoberkommandos 17 aktiv an der Initiierung von Pogromen gegen die jüdische Zivilbevölkerung beteiligt. Am 30. Juli 1941 unterschrieb er einen Befehl, nach dem als Sühnemaßnahmen „zur Vergeltung Juden oder Kommunisten erschossen werden sollten“. Im weiteren Verlauf des Krieges war Stülpnagel zudem für Geiselerschießungen in Frankreich verantwortlich.

Pauls: „Beide Personen haben durch ihr Handeln gezeigt, dass sie aktiv Werte vertreten haben, die in Widerspruch zu den Grundsätzen des Grundgesetzes stehen. Sie sind deswegen ungeeignet, durch die Benennung einer Straße geehrt zu werden.“ Ihre jeweilige Verbindung zum militärischen Widerstand des 20. Juli 1944 und die daraus resultierende Verfolgung und Ermordung durch das Nazi-Regime reiche nicht aus, um als Vorbild zu dienen. Von daher könne Pauls uneingeschränkt dem Vorschlag der Celler Ratspolitik zur Umbenennung folgen.

Im Ortsrat sitzen vier Politiker der CDU, drei der SPD, eine der Grünen und ein Unabhängiger. Ob Pauls angesichts dieser Verhältnisse von einer Mehrheit für seinen Antrag ausgeht? „Natürlich werden wir in der Sitzung für unseren Antrag werben und darauf vertrauen, dass unsere Argumente überzeugen“, sagt er: „Denn ich denke, dass auch zumindest die Ortsratsmitglieder der CDU in ihren Gremien das Strebel-Gutachten diskutiert haben und zum gleichen Ergebnis gekommen sind wie meine Fraktion. Ansonsten könnte ich mir das nahezu einstimmige Votum der Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat und des Verwaltungsausschusses nicht erklären.“