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Celle Ortsteile SPD-Generalsekretärin in Celle: Negative Gefühle nehmen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile SPD-Generalsekretärin in Celle: Negative Gefühle nehmen
16:41 17.06.2016
SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sprach während der Projektwoche mit Schülern über ihre persönliche Motivation, den Erfolg der AfD und den Brexit. Quelle: Benjamin Westhoff
Heese

Für SPD-Generalsekretärin Katarina Barley ist Schule der richtige Ort, um Politik zu vermitteln. Deswegen begrüßte die 47-Jährige die Pläne der Elftklässler für die Kommunalwahltage am Hermann-Billung-Gymnasium Ende August. Die Politikerin aus Trier gab den Schülern aber noch einen Tipp mit auf den Weg: "Seid nicht so zurückhaltend." Oft erlebe sie in Berlin, dass Schülergruppen sich erst zwischen Tür und Angel trauten, Fragen zu stellen.

Doch Barleys Bedenken erwiesen sich in der Projektwoche als unbegründet. Die 15 Schüler im Raum waren gut auf das Gespräch mit der Bundespolitikerin vorbereitet und löcherten sie mit Fragen zu vielen Themen. Als Juristin ist die Mutter zweier Kinder es gewöhnt, verschiedene Perspektiven einzunehmen, Argumente abzuwägen und wie sie es selbst sagt "nicht alles immer persönlich zu nehmen."

Barleys größte Sorge ist die politische Unzufriedenheit vieler Menschen, die die Wähler zur Alternative für Deutschland (AfD) treibt: "Das Problem heute ist, dass viele gar nicht wissen, wofür genau die AfD steht. Die Politik dieser Partei basiert auf negativen Gefühlen, die man Menschen schwer nehmen kann." Mit drei Talkshows pro Woche zum Thema Zuwanderung, hätten die Medien "den Menschen die Flüchtlinge förmlich ins Wohnzimmer gespült." Nicht nur in Deutschland haben rechtspopulistische Partei gerade großen Zulauf, sondern auch etwa in Frankreich, Österreich, Polen, Ungarn, zählte sie auf.

Die Schüler sprachen große Themen wie den "Brexit", den möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, an. Oder aber auch nach dem Freihandelsabkommen TTIP wurde gefragt.

Viele Nachfragen stellten die Schüler zur Situation der SPD. Mit dem Fachbegriff der "Asymmetrischen Demobilisierung" gab Barley ihnen einen Vorgeschmack auf das Studium der Politikwissenschaften. Bei dieser Strategie gehe es darum, eine Stellungnahme zu kontroversen Themen zu vermeiden – wie es Angela Merkel oft tue. So schläfere die Bundeskanzlerin die Wähler ein und entpolitisiere sie. Laut Barley habe die SPD in der Großen Koalition viele Erfolge erringen, diese allerdings nicht öffentlich für sich verbuchen können. Barley sieht ihre Partei am stärksten im Wandel von Familien- und Berufsbildern: "Die Leute müssen uns nur sagen, wie sie leben wollen und wir werden sie dabei unterstützen.

Von Dagny Rößler