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Celle Ortsteile Scheuen schafft Nazi-Straße ab
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Scheuen schafft Nazi-Straße ab
17:16 26.02.2015
Von Michael Ende
Straßenschilder Fritschstraße Quelle: Benjamin Westhoff
Scheuen

Eine unangenehme Aufgabe zügig abgearbeitet haben am Dienstag die Mitglieder des Ortsrates Groß Hehlen mit Scheuen und Hustedt, indem sie dafür votierten, den Namen des heute als Nazi, Anti-Demokrat und Judenhasser bekannten Generals Werner Freiherr von Fritsch aus dem Straßenbild zu streichen. Mit diesem Namenspatron, den die NSDAP seinerzeit mit ihrem Goldenen Parteiabzeichen geehrt hatte, hatten sich die Celler Politiker nicht beschäftigen wollen, als sie im Jahr 2010 Straßen mit Namen von NS-belasteten Personen von der Landkarte strichen.

Dies gelte es nun nachzuholen, erläuterte Kulturdezernentin Susanne McDowell: "Damals sind Namenspatrone wie von Fritsch, Generalfeldmarschal Erwin Rommel sowie General Carl-Heinrich von Stülpnagel unberücksichtigt geblieben. Angeregt durch einen Artikel in der CZ hat es jetzt eine erneute Diskussion gegeben, in deren Verlauf die Spitzen der Ratsfraktionen zu dem Schluss gekommen sind, dass man den Ortsräten Groß Hehlen mit Scheuen und Hustedt sowie Klein Hehlen als den für Umbenennungen zuständigen Gremien nahelegen sollte, sich mit der Thematik zu befassen." Die Ratspolitiker seien sich darüber einig, dass die Stadt diese NS-belasteten Personen nicht länger durch eine Straßenbenennung ehren sollte.

Das meinte auch Ortsbürgermeister Axel Fuchs (CDU): "Ich habe den Antrag gestellt, den Straßennamen zu ändern - unter anderem auch deshalb, weil der eigentliche Grund, nämlich die Fritsch-Kaserne, nicht mehr existiert." Fuchs schlug vor, die Straße namenstechnisch an den bereits vorhandenen Reiherberg anzugliedern. Die Bundeswehr hatte einst ein halbes Dutzend Fritsch-Kasernen. Die letzte von ihren lag in Pfullendorf und wurde 2013 in „Staufer-Kaserne“ umbenannt.

Alfhild Scharf (SPD) pflichtete Fuchs bei: Es wäre "Schwachsinn", die Straße nicht umzubenennen. Wolfgang Beutel (CDU) sagte, dass sich nur wenige Bürger mit einer Adress-Änderung abfinden müssten: "An der Fritschstraße leben nur ein Ehepaar und sechs Bewohner des Obdachlosenheims."

Nachdem sich die Scheuener entschlossen haben, nicht länger einen Nazi-General zu ehren, sind nun die Klein Hehlener am Zuge. Dort beschäftigt sich der Ortsrat am 18. März im 19 Uhr in Lehmanns Scheune am Hollenkamp mit der Frage, ob Rommel und von Stülpnagel wirklich eine gute Wahl als Namensgeber im "Widerstandsviertel" waren. Unter dem Oberbefehl von Hitlers Vorzeige-General Rommel verübten deutsche Truppen in Italien Kriegsverbrechen. Stülpnagel initiierte in Polen Judenpogrome und war für Geiselerschießungen in Frankreich verantwortlich. SPD und Grüne im Ortsrat wollen die Namen dieser Generäle nicht länger neben denen der Geschwister Scholl oder dem Dietrich Bonhoeffers sehen. Die CDU hat damit kein Problem. Michael Ende