Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Schleppender Start, furioses Finale
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Schleppender Start, furioses Finale
17:47 06.06.2012
Chin Meyer Quelle: Alex Sorokin
Bennebostel

Die Erwartungshaltung des Publikums war groß, als auf Einladung von „Kultur querbeet“ der bekannte Berliner Kabarettist Chin Meyer in Begleitung seines Pianisten Andreas Gundlach in Wietfeldts Kartoffelscheune in Bennebostel zu Gast war. Dabei stellte sich zunächst durchaus die Frage, ob er mit dem Titel seines aktuellen Programms „Grundlos optimistisch“ vielleicht auf das gespannte Publikum abzielte.

Schleppend nur kam er in Gang, als er etwa über Schwimmwesten in Flugzeugen philosophierte und sich fragte, ob es dann in U-Booten nicht auch Fallschirme geben müsse. Oder warum Füße riechen und Nasen laufen. Oder als er darüber nachsann, warum John Lennon und George Harrison tot sind und Florian Silbereisen lebt. Oder als er einen Herrn aus dem Publikum auf „hellseherisch-analytische“ Behauptungen mit „Ja“- oder „Nein“-Tröten „antworten“ ließ.

Doch mit wirkungsvoller Unterstützung seines Pianisten – grandios war dessen Ball-Jonglage während er gleichzeitig Klavier spielte – kam er nicht nur bei seinen karikierenden musikalischen Intermezzi immer besser in Schwung, sondern wurde auch in seinen Wortbeiträgen zunehmend tiefgründiger. Und seine charmant gefärbte Spontaneität kam beim Publikum immer besser an.

Als er jedoch im Zusammenhang mit seinen Erfahrungen als „Sex-Sekten-Jünger“ anklingen ließ, dass er die berühmte Restaurant-Szene von Harry und Sally mit der Orgasmusimitation in seinem Zelt quasi in einer One-Man-Version praktizieren musste, verschlug es ihm beim spontanen „Vormachen“-Zuruf einer Zuschauerin regelrecht die Sprache. Diese Sprachlosigkeit kam ihm wiederum bei der pantomimisch mit Tai-Chi-Figuren untermalten vergnüglichen Schilderung des „Schleichweges“ vom Ehebett zum Klo und wieder zurück zugute, als er unter allen Umständern verhindern musste, dass seine schlafende Frau wach wurde.

Dann wurde er wieder zum Wortkünstler, als er aus „typischen Zutaten“ wie „Knast“, „Hengstparade“ und „rohe Roulade“ – Zurufe aus dem Publikum – einen Celle-Song kreierte und bei dieser Gelegenheit dank der spontan reagierenden Wietfeldt-Crew auch gleich „in einem Schluck die Frage beantwortet“ bekam, was denn ein Ratzeputz sei.

Und als er am Ende auch noch die unmittelbar zuvor erfragten Erlebnisse einer Zuschauerin in Sekundenschnelle zu einem Schlager verarbeitete und diesen zunächst als Rocksong und dann in einer Musikantenstadl-Version zum Besten gab, wollte der Beifall kein Ende nehmen.

Von Rolf-Dieter Diehl