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Celle Ortsteile Seltener Gast: Sperbereulen im Landkreis Celle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Seltener Gast: Sperbereulen im Landkreis Celle
17:44 23.12.2013
Die Sperbereule vor ihrer Freilassung in der Tiermedizinischen Hochschule Hannover. Quelle: Henning Petersen
Alvern

Das ging schnell. Kaum hatte Dr. Marko Legler seine Hand geöffnet, da war der Vogel mit raschen Schwingenschlägen in der Luft, gewann schnell an Höhe und flog davon. Mit Ferngläsern und Kameras verfolgten rund 20 Ornithologen den seltenen Gast. In etwa 250 Metern Entfernung ließ er sich auf einem Baum nieder.Ob die Sperbereule im Bereich Alvern ihr Winterrevier einrichtet, oder ob sie wieder nach Skandinavien oder Russland zurückkehrt, wird sich nach Angaben von Arne Torkler von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Südheide in den nächsten Tagen zeigen. Am Sonnabend wurde sie bis zum Einbruch der Dunkelheit beobachtet, fast 100 Vogelkundler aus ganz Norddeutschland waren angereist. Gestern wurde sie nicht mehr entdeckt.

Vor drei Wochen war der Vogel in Hannover-Herrenhausen vermutlich bei der Jagd gegen eine Scheibe geflogen. Passanten hatten ihn entdeckt, er kam in die Tierärztliche Hochschule Hannover, wo die Experten eine Gehirnerschütterung sowie Einblutungen in beide Augen diagnostizierten. Legler von der Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel und sein Kollegen Dr. Colin Pielsticker von der Klinik für Geflügel untersuchten und behandelten ihn. Gefüttert wurde er mit Mäusen und Eintagsküken, dabei nahm er leicht zu auf 326 Gramm. Vermutlich sei die Sperbereule in diesem Jahr geschlüpft, sagte Pielsticker. Sie ist ausgewachsen, ihr Geschlecht soll bei noch ausstehende Analysen festgestellt werden. Sie wurde vor der Freilassung beringt.

Etwa alle 20 Jahre tauchen nach Angaben von Torkler Sperbereulen in Deutschland auf. In Norddeutschland waren es in diesem Winter bisher sieben, für den Kreis Celle wäre Knack, wie sie von den Findern getauft wurde, die erste. Torkler will aber nicht ausschließen, dass sich weitere Sperbereulen im Celler Raum aufhalten. Deshalb hat er die E-Mail-Adresse sperbereule@gmx.de eingerichtet und bittet um Rückmeldungen. Die tagaktive Eule mit dem schwarz-weißen Gefieder jagt Mäuse und Kleinvögel.

Mit dem Tier von Alvern wurde nach Torklers Worten erst zum zweiten Mal in Deutschland eine Sperbereule wieder ausgewildert.

Von Joachim Gries