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Celle Ortsteile Siedlung Tsellis in Altencelle: Das Beste kommt zum Schluss
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Siedlung Tsellis in Altencelle: Das Beste kommt zum Schluss
17:59 30.01.2014
Von Michael Ende
Die hier grau eingefärbten geomagnetischen Messflächen lassen Rückschlüsse auf die Struktur der versunkenen mittelalterlichen Stadt "Tsellis" zu. Quelle: Michael Ende
Altencelle

Schaufel, Kelle, Spachtel, Pinsel - ihr ausgrabungstechnisches Handwerkszeug hat die Archäologin Cornelia Lohwasser, die im Rahmen des Forschungsprojektes „Stadtwüstung Altencelle“ der Uni Göttingen Celles allerfrühesten Anfängen auf der Spur ist, erst einmal beiseite gelegt. Für Winterferien hat sie aber keine Zeit. „Entgegen der allgemeinen Einschätzung bedeutet Archäologie auch eine Menge Schreibtischarbeit, hauptsächlich Berichte schreiben, Dias und Digitalbilder beschriften, Zeichnungen scannen und umzeichnen, Funde zeichnen“, so Lohwasser. Auch die Verarbeitung der Rohdaten der Geomagnetik koste tausende Mausklicks und manchmal Nerven: „Alle halbe Stunde stürzt das Programm ab, es ist wie in jedem anderen Büro auch.“ Nun liegt ein Übersichtsbild aller Messungen 2013 vor.

Die Magnet-Prospektion ist eine schonende Methode zur Ortung von Haus- und Hofstellen, die sich schon 2007 beim Auffinden des Straßenzuges „Steinweg“ zwischen Gertrudenkirche und Apfelweg bewährt hatte. Mit dem Magnetometer werden Steine und Metall, dazu archäologische Befunde wie Gruben, Pfostenlöcher oder Herd- und Feuerstellen registriert. „Nach Bearbeitung eines großen Teils der nördlichen Peripherie Altencelles kann vorläufig festgestellt werden, dass ein weiterer Straßenzug in der Art des Steinwegs noch nicht aufgetaucht ist, so Lohwasser. Vergangene Bauwerke jüngeren Datums, etwa die Befestigung der Straße zur ehemaligen Allerbrücke, seien gut zu erkennen, ebenso regelmäßige Pfostenreihen von aufgegebenen Weidezäunen: „Einige Stellen wirken wie schwarz-weiß marmoriert; sie stellen kurz unter der Oberfläche befindlichen, eisenhaltigen Ortstein dar.“

Es gebe aber auch einige Stellen, die vermutlich Gebäude, beziehungsweise Reihen von Pfostenstellungen anzeigten, sagt die Forscherin: „Positiv gemessen wurden Teile des so genannten Pottgartens auf dern Weide östlich und nördlich des Pfarrgartensn und des Friedhofs. Bei den Befunden im Nordosten handelt es sich vielleicht um die Überreste der dort schon mehrfach vermuteten, abgegangenen Mühle.“ Interessant seien auch mehrere reihenständige Befunde östlich des Pfarrhauses: „Viele Grubenbefunde zeigen sich zu beiden Seiten des Teiches Oelker/Nebelsiek sowie auf dem Grundstück Heindorff in der Nähe des Fundortes bearbeiteter Hölzer, deren Dendrodatum auf etwa 20 vor Christus beziffrett wird.“

Ohne Zweifel eine der interessantesten Stellen sei der südlich des Wohnhauses Schulz-Wallheinke gelegene Garten: Dort liegen die noch nicht ausgegrabenen Bereiche der Brunonenburg. Lohwasser freut sich darauf, nach uralter Verkehrs-Infrastruktur zu suchen: „Noch nicht gemessen ist der Bereich der Weiden zwischen dem Teich Oelker/Nebelsiek und dem Pottgarten sowie die Weiden zwischen Brunonenburg und Nienburg – beide Bereiche sind relevant in Hinsicht auf den Binnenhafen im alten Celle.“ Michael Ende