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Celle Ortsteile "Sind nicht im Vier-Sterne-Hotel"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile "Sind nicht im Vier-Sterne-Hotel"
15:10 17.06.2011
Von Michael Ende
Hustedt

"Das kann man so nicht stehen lassen. Hier muss niemand hungern", sagt Friedrich Lück, Insasse der Celler Justizvollzugsanstalt (JVA) Salinenmoor, nachdem zwei andere Häftlingen behauptet hatten, dass dort die Essensrationen derartig gekürzt worden seien, dass man "Hungeraufstände" befürchten müsse. Die Mehrzahl der Inhaftierten distanziere sich von derlei Behauptungen, so Lück: "Hier soll ein privater Kleinkrieg ausgetragen werden. Hier gibt es täglich so viel zu essen dass die Gefangenen viel Essen einfach wegschmeißen. Zum Teil wird Brot einfach aus dem Fenster geworfen. Klar sind die Geschmäcker immer verschieden, und über Geschmack kann man natürlich auch streiten.Aber Fakt ist, dass hier noch niemand verhungert ist. Man darf auch nicht vergessen, dass wir uns in einer JVA und nicht in einem Hotel befinden."

Dass die Verpflegungssätze in Salinenmoor rein mengenmäßig sogar über den geltenden Empfehlungen lägen,erläutert JVA-Leiter Peter Oberländer. Laut Empfehlung stünden den Inhaftierten pro Woche 500 bis 600 Gramm Kartoffeln zu. In Salinenmoor erhielten sie 750 Gramm. Der Richtwert für Fleisch liege wöchentlich bei 500 Gramm. "Bei uns wird dieser Wert wird schon bei der Ausgabe nach vier Wochentagen erreicht", so Oberländer. Der Richtwert für Frischobst betrage täglich 100 Gramm in Salinenmoor gebe es dreimal in der Woche 150 Gramm. Regelmäßig überwache er die Kostausgabe persönlich, sagt Oberländer. Dabei seien ihm noch keine Auffälligkeiten untergekommen: "Insbesondere keine untergewichtigen Gefangenen."

Dem stimmt Olaf Marquardt zu: "Ich war hier in der JVA fast 28 Monate als Hausarbeiter tätig und habe Tag für Tag das Mittagessen sowie die Abendkost verteilt, und bei mir und meinem Kollegen Herrn Lück brauchte niemand hungrig ins Bett oder zur Arbeit gehen." Manche Gefangene hätten hinter Gittern doch erst erfahren, was überhaupt drei regelmäßige Mahlzeiten am Tag seien, so Marquardt: "Manche Lebensmittel, die wir hier als Gefangene bekommen, kann sich manch Sozialhilfeempfänger draußen nicht kaufen, weil er sich das finanziell nicht erlauben kann."

"Ich befinde mich seit einem Jahr in Haft und bin auch nicht das erste Mal inhaftiert", sagt einen Gefangener, der seinen Namen nicht genannt wisen will. "Ich habe schon einige Haftanstalten und damit verbunden auch die Küchen kennengelernt, und ich muss sagen, dass das Essen hier in Salinenmoor wahrlich nicht schlecht ist. Dass sich viele über Graupensuppe oder Steckrübeneintopf beschweren, liegt daran, dass sie kaum einer mag." Ein Kritikpunkt sei das oftmals mit Druckstellen versehene Obst

Die Häftlinge, die sich öffentlich über die Salinenmoorer Knast-Cuisine beschwert hätten, hätten von ihrem Mitinsassen bereits das "Wort zum Sonntag" gehört, sagt Marquardt. Denn sie hätten eins getan, was in Justizvollzugsanstalten im Allgemeinen gar nicht gerne gesehen wird: "Sie haben sich zu weit aus dem Fenster gelehnt."