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Celle Ortsteile "So ein Projekt macht man nur einmal im Leben"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile "So ein Projekt macht man nur einmal im Leben"
17:45 30.07.2018
Von Audrey-Lynn Struck
Quelle: Oliver Knoblich
Osterloh

"Wir stellten uns um, machten einmal pro Woche einen Großeinkauf in der Stadt und bildete Fahrgemeinschaften." Mehr als 30 Jahre später kann sich Ehepaar Klages kaum noch vorstellen, jemals wieder weg zu ziehen. Ihre drei Kinder blicken noch heute mit einem Lächeln im Gesicht auf die Zeit zurück, als sie im Wald Buden bauten oder in der Aller schwimmen gingen.

Die Liebe der Klages zu Osterloh hängt auch eng mit ihrem Wohnhaus zusammen. Das Bauernhaus stammt ursprünglich aus dem Jahr 1564 und stand eigentlich im Nachbarort. "Doch der Grundstücksbesitzer wollte nur an denjenigen verkaufen, der hier in Osterloh das alte Haus aufbaut", erklärt Dietrich Klages. So kam es, dass 1978 das Haus skizziert, fotografiert, alle Holzbalken mit Nummern versehen und anschließend das ganze Gebäude fein säuberlich abgetragen wurde. "Es war wie ein räumliches Puzzle", so Dietrich Klages.

Nach zwei Jahren war der Wiederaufbau dann soweit fertig, dass das Ehepaar Klages mit seinen Kindern auf der ehemaligen Kuhweide einziehen konnte. "Etwa zehn Jahre lang fuhren wir nie in den Urlaub, weil wir nicht genug Geld hatten", sagt Katrin Klages. Dennoch sei sie sehr froh, den Schritt gewagt zu haben: "So ein Projekt macht man nur einmal im Leben." Neben mehreren Zwischenetagen verfügt das Wohnhaus sogar über einen kleinen Kriechkeller. Das Herzstück bildet der große Wohnraum mit hohen Decken und einem offenen Kamin in der Mitte. In ihrem Garten findet alle zwei Jahre an Himmelfahrt ein Gottesdienst statt, bei dem das ganze Dorf zusammenkommt.

Die beiden Beamten hatten durch den Ab- und Wiederaufbau des Wohnhauses bereits einige Kniffe gelernt, die ihnen bereits vier Jahre später helfen sollten. Sie bauten den Schuppen neben dem Familienhaus von Katrin Klages ab – das ursprünglich in Wathlingen stand. Im vergangenen Jahr bauten sie das Gebäude zu einem kleinen Ferienhaus um, das sie auch vermieten.

Direkt nebenan wohnt Ernst August Otte. "Der Dietrich und ich hatten das Glück, dass wir damals unser Grundstück teilen durften", so der 69-Jährige. Bereits im Alter von 19 Jahren hatte der gelernte Elektriker einen Teil der Fläche gekauft und bebaut. "Ich hatte schon einen kleinen Vogel, mir das Grundstück zu kaufen. Aber schön wohnen kann man hier auf alle Fälle", sagt Otte lachend. Das einzige Problem sei wegen der momentanen Trockenheit der Staub. Wann immer es ein Autofahrer nicht so genau mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nehme, wirbele es nur so hoch.

Eine kleine Gartentür trennt Otte von dem Grundstück der Klages. Über die Hecke kann er nicht nur das Haus, sondern auch einen Teil der Fahnenstange sehen. Wann immer seine Nachbarn Besuch haben, hängt dort das passende Banner. Momentan ist es die Europa-Flagge. Des öfteren sitzt das Ehepaar Klages dann abends draußen im Garten und schaut auf ihre beiden Häuser. "Dann denke ich: Wahnsinn und das haben alles wir geschafft", sagt Katrin Klages.