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Celle Ortsteile Spuren im Raubprozess führen in die Celler Drogenszene
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Spuren im Raubprozess führen in die Celler Drogenszene
19:09 27.03.2017
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Celle-Neuenhäusen

NEUENHÄUSEN. Am 4. Oktober 2010 soll der Angeklagte mit einem bis heute unbekannten Komplizen gegen 18 Uhr an einer Wohnungstür an der Bahnhofstraße geklingelt haben. Der Bewohner öffnete. Der ungebetene Besuch stürmte herein, hielt dem Mieter ein Messer an den Hals und forderte Wertsachsen. Binnen Sekunden wechselten unter anderem eine Xbox, verschiedene PC-Spiele, ein Laptop, mehrere Mobiltelefone und 120 Euro Bargeld den Besitzer.

Die nächste Tat nach ähnlichem Muster ereignete sich zwei Wochen später. Dieses Mal soll der 22-Jährige mit seinem Komplizen im Bereich Blumlage aufgetaucht sein. Als es gegen 18.30 Uhr an der Haustür klingelte, öffnete der Bewohner arglos die Tür. Maskiert mit schwarzen Sturmhauben stürmten die beiden Täter mit Messern in den Händen hinein und hielten insgesamt drei Personen in ihrer Gewalt. Beim anschließenden Gerangel erlitten mehrere Personen Verletzungen im Gesicht. Die Geschädigten übergaben 115 Euro Bargeld, 0,6 Gramm Marihuana sowie zwei Mobiltelefone.

Die letzte Tat spielte sich am 7. November 2015 unweit des Heeseplatzes ab. Der Angeklagte soll nach einer Party mit mehreren Bekannten stark angetrunken eine Diskothek verlassen haben. Gegen 6.45 Uhr kreuzte ein Auszubildender auf dem Weg zur Arbeit seinen Weg. Ohne Grund schlug der 22-Jährige ihn vom Fahrrad. Nun stießen zwei Gehilfen des Beschuldigten hinzu und traten gemeinsam mehrere Male auf Kopf und Oberkörper ein. Ihnen fielen Smartphone und ein Portemonnaie mit 20 Euro in die Hände.

„Es tut mir leid, heute würde ich das nicht mehr machen", sagte der Angeklagte. „ Ich habe so viele Sachen gemacht, ich will nicht lügen. Ich habe alles vergessen, will es aber nicht ausschließen."

Bei den ersten Raubzügen stellte die Celler Kripo auf einem Tisch und in einer Schale Spucke sicher. Das Dokument der DNA-Spurenanalyse ist eindeutig. Der Angeklagte ist mit nahezu hundert Prozent der Verursacher.

Die Strafkammer brauchte Fingerspitzengefühl, um das Motiv zu erhellen. Es gab Beweise, dass die Überfallenen von 2010 an als Dealer das Celler Drogenmilieu mit Stoff versorgten. So verwunderte es nicht, dass die drei Augenzeugen unterschiedliche Versionen angaben. Ein Anlagenbauer aus dem Kreis Celle, der sich zufällig in der Wohnung des Kumpels aufhielt, bestritt, einen Faustschlag abbekommen zu haben. Seine 30 Jahre alte Bekannte dagegen sagte aus, dass sie durch die Attacke und den Hilferuf ihres Freundes auf dem Sofa aufwachte und auf die Sturmhauben der Eindringlinge schaute. Der Prozess geht kommenden Dienstag mit weiteren Zeugenbefragungen weiter.

Von Benjamin Reimers