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Celle Ortsteile Streit in der SPD: Rodenwaldt gibt Fraktionsvorsitz im Celler Rat ab
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Streit in der SPD: Rodenwaldt gibt Fraktionsvorsitz im Celler Rat ab
18:40 14.12.2017
Von Gunther Meinrenken
Jörg Rodenwaldt, hier bei der CZ-Podiumsdiskussion zur Landtagswahl im vergangenen Jahr, hat den Fraktionsvorsitz der SPD im Celler Rat niedergelegt. Quelle: Michael Schäfer
Celle

Engagierter Wahlkämpfer, wirtschaftlicher Sachverstand, mitunter unbequem kritisch, auch in den eigenen Reihen – das sind die Attribute, die Jörg Rodenwaldt ausmachen. Der "Spätstarter" auf dem Feld der Politik war trotz seiner sozialdemokratischen Gesinnung erst 2010 in die SPD eingetreten, hatte in Celle allerdings schnell "Karriere" gemacht und Erfolge errungen.

Rodenwaldt ist Ortsbürgermeister von Neuenhäusen, war bei der jüngsten Landtagswahl nur 196 Stimmen von der Sensation entfernt, gegen den "Platzhirschen" Thomas Adasch von der CDU das Direktmandat für den Wahlkreis Celle zu holen. Und seit Oktober vergangenen Jahres war Rodenwaldt Fraktionsvorsitzender der SPD im Celler Rat. Zumindest bis Donnerstag, als er überraschend seinen Rücktritt erklärte.

Rodenwaldt hat mit diesem Schritt die Konsequenzen aus der am Mittwoch stattfindenden Vorstandwahl im SPD-Ortsverein Celle gezogen. Bei der Abstimmung über den Vorsitz unterlag er deutlich gegen Dietrich Burggraf, den ehemaligen Leiter der Heimvolkshochschule Hustedt. Für Rodenwaldt wohl zu deutlich.

Burggraf erhielt zwei Drittel der Stimmen, am Donnerstag zog Rodenwaldt die Konsequenzen und legte den Fraktionsvorsitz nieder. Begründung: "Eine Wahlniederlage allein würde mich nicht zum Rücktritt bewegen. Ich habe mein Amt abgegeben, weil ich glaube, dass ich in der Partei und in der Fraktion nicht ausreichend unterstützt werde", so Rodenwaldt. Die Partei habe signalisiert, "wie sie zu mir steht. Ich als Fraktionsvorsitzender wurde nicht gewählt, dafür sind nun zwei Personen aus dem Fraktionsvorstand im Vorstand des Ortsvereins. Das brauche ich im Ehrenamt nicht".

Rodenwaldt hat es wohl auf die Probe aufs Exempel ankommen lassen. Aus SPD-Kreisen hieß es, dass er seine Bewerbung für den Vorsitz des SPD-Ortsvereins aufrecht erhalten hatte, obwohl mit Burggraf bereits quasi ein Wunschkandidat feststand. Letzterer wird in der SPD beschrieben als "herausragende Figur", die "intellektuell auf der Höhe der Zeit ist" und in der Lage sei zu vermitteln und zusammenzuführen. Gerade darauf haben möglicherweise viele der SPD-Mitglieder gesetzt, um Friktionen und Grabenkämpfe innerhalb der Partei zu beenden.

Auch die bisherige Ämterhäufung von Rodenwaldt soll bei einigen SPD-Mitgliedern Zweifel aufkommen lassen haben, ob ein weiterer Posten für ihn überhaupt noch zu bewältigen sei. Rodenwaldt war unter anderem nicht nur Fraktionsvorsitzender, sondern auch Ortsbürgermeister und zudem Mitglied im Vorstand der Kirchengemeinde Neuenhäusen und beim DRK.

Der neu gewählte Burggraf startet seine Amtszeit also erst einmal ohne Fraktionsvorsitzenden. "Ich bedaure den Rücktritt von Jörg Rodenwaldt sehr", so Burggraf, der aber sicher ist, dass die anderen drei Vertreter im Fraktionsvorstand der SPD, Inga Marks, Reinhold Wilhelms und Joachim Schulze, die Fraktion weiter führen werden. "Wir haben viele kluge Köpfe", so Burggraf. Seinen Sitz im Celler Rat wird Rodenwaldt behalten.