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Celle Ortsteile Streit um Kindergarten in Klein Hehlen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Streit um Kindergarten in Klein Hehlen
17:09 09.09.2016
Von Michael Ende
Das bringt Klaus Didschies auf die Palme: Dort, wo eigentlich eine Kinderbetreuungseinrichtung entstehen sollte, zieht jetzt ein Privatmann sein Häuschen hoch. Quelle: Foto:
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung berichtete die Verwaltung über die positive Entwicklung bei der Vergabe der Baugrundstücke des zweiten Bauabschnittes im Kieferngrund II. Auf Nachfrage von Hartmut Knigge (CDU), ob denn das für eine Betreuungseinrichtung eingeplante Grundstück noch zur Verfügung stehe, antwortete Stadtbaurat Ulrich Kinder, dass es verkauft worden sei, da ihm verwaltungsintern „kein Bedarf“ gemeldet worden sei.

Das brachte Didschies auf die Palme: „Ich bin entsetzt und enttäuscht zugleich und bitte, mich aufregen zu dürfen – insbesondere, weil keine politische Ebene in diese Entscheidung eingebunden wurde“.

Selbst als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses hätte er bis heute keine aktuellen Zahlen über die Auslastung der Celler Kindertageseinrichtungen zum neuen Kindergartenjahr, so Didschies. Eine auf Erhebungen basierende Kindergartenbedarfsplanung für die nächsten Jahre sei der Politik „fremd und war in der Vergangenheit auch kein Thema“: „So wurden wir immer vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich habe immerhin Kenntnis, dass der in diesem Jahr erweiterte Kindergarten Klein Hehlen an der Breitscheidstraße bereits ausgelastet ist.“ Dazu kämen in Klein Hehlen über 50 leer stehende Wohnungen der DGI, wo Zuzüge von Familien mit Kindern „garantiert“ seien. Didschies: „Auch der Großteil der 153 Bundes-Immobilien steht im Musikerviertel und wird im kommenden Jahr an den Markt gehen. Hier in Klein Hehlen ist ein zukünftiger Bedarf nicht von der Hand zu weisen.“ Die Verkaufs-Entscheidung der Verwaltung sei „falsch und grob fahrlässig“

Noch zu Beginn des Jahres 2013 hatte Stadtrat Stephan Kassel gesagt, dass es vorstellbar sei, dass im Kieferngrund eine Kindertagesstätte errichtet würde. Vorausgegangen war ein im März 2011 vom Rat gefasster Beschluss, ein geeignetes Grundstück als Standort für eine mögliche, ortsnahe Kinderbetreuungseinrichtung vorzuhalten. „Das Grundstück Nr. 59 wird nicht verkauft und für eine eventuelle Errichtung einer Kindergrippe vorgehalten“, so der Ratsbeschluss. Jetzt ist Nr. 59 verkauft.

Nun antwortete Stadtbaurat Ulrich Kinder im Bauausschuss auf die Frage, ob denn der Verkauf wieder rückgängig gemacht werden könne, diese Entscheidung sei unumkehrbar. Auf Didschies‘ Frage, ob es nicht fair wäre, die Öffentlichkeit darüber zu unterrichten, zumal im ersten Bauabschnitt mit einer möglichen Kindertagesstätte geworben wurde, entgegnete der Stadtbaurat, dass dieses nicht erforderlich sei, zumal im Exposée des zweiten Abschnittes keine Rede mehr davon sei.

Die Rats-CDU will nun in einer Anfrage wissen, warum die Verwaltung das Grundstück „entgegen der Beschlussfassung des Rates“ verkauft habe, ohne sich dafür vom Rat grünes Licht geholt zu haben. „Die Entscheidung hierüber ist in der Fachverwaltung gefallen“, antworten Kassel und Kinder. Das entspreche „gängiger Verwaltungspraxis“. Der Bedarf an Betreuungsplätzen werde auch in absehbarer Zeit durch bereits bestehende Einrichtungen gedeckt; speziell im Kieferngrund II werde kein Bedarf für eine eigene Kita gesehen. Diese Einschätzung der Verwaltung sei bereits 2014 im städtischen Verwaltungsausschuss "dargelegt" worden.

Klaus Didschies ist immer noch sauer: „Nur wer nicht mehr an eine familienfreundlichere Stadt und den Zuzug junger Familien mit Kindern glaubt, veräußert Grundstücke, auf denen kurzfristig und bedarfsgerecht Kindergärten hätten errichtet werden können“.