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Celle Ortsteile Tapfere Mutter aus Bergen kämpft für ihre Familie
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Tapfere Mutter aus Bergen kämpft für ihre Familie
20:07 25.11.2014
Bergen Stadt

Wenn Elke Kracht (30, Name von der Redaktion verändert) über ihr Leben erzählt, kann man kaum glauben, dass daraus eine zielorientierte Frau und liebevolle Mutter erwachsen konnte. Als Älteste von sieben Geschwistern hat sie am stärksten unter ihrem verwahrlosten und gewalttätigen Elternhaus zu leiden gehabt. Beide Eltern waren stark alkoholabhängig, ihre Exzesse – auch gegen die Kinder – hatten Folgen bis hin zu abzusitzenden Haftstrafen.

Mit acht erkrankte das schon durch Misshandlungen gezeichnete Mädchen an Krebs. Nach der erfolgreichen Operation und dem Krankenhausaufenthalt nahm ihre Großmutter sie auf, die alleinstehend selbst in einfachsten Verhältnissen lebte. „Wir hatten eigentlich nichts, aber es war Frieden“, sagt Kracht. Ein Jahr darauf kam auch ihre Schwester zu ihnen – „mehr ging nicht, meine Geschwister kamen in Pflegefamilien“. Ihre Eltern hatten ihre Kinder in einer verwüsteten Wohnung einfach sich selbst überlassen und sich aus dem Staub gemacht.

In die Schule konnte Elke nur unregelmäßig gehen, gesundheitliche und psychische Belastungen verhinderten sowohl einen Schulabschluss als auch eine berufliche Ausbildung. Mit Unterstützung vom Jugendamt bekam die Volljährige eine kleine eigene Wohnung. Bei einem Gelegenheitsjob lernte sie ihren Mann kennen. Die Beiden heirateten und bekamen ihr erstes Kind. Luka ist heute sieben Jahre alt und leidet an einer ausgeprägten Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Schwester Hanna (5) folgte.

Weil die kleine Wohnung viel zu eng wurde, zog die Familie in das Haus der Schwiegereltern in einem kleinen Weiler vor Bergen. Das dritte Kind wurde geboren. „Ich habe mir immer eine große, intakte Familie gewünscht“, sagt die liebevolle Mutter. Leider hielt auch dieses Glück nicht lange. Nach einer Trennung zog die Schwester ihres Mannes mit ihren zwei Kindern in das nun völlig überfüllte Elternhaus. Es gibt keinen Rückzugsort, ständig ist Unruhe und Lärm im Haus, das führt zu lautstark ausgetragenen Konflikten.

Auffällige Schilddrüsen-Werte brachten Elke Kracht vor ein paar Wochen wieder in die Klinik. Die Gesamtuntersuchung ergab außerdem gutartige Zysten an den Eierstöcken. Die Nachbehandlung der OP, eine regelmäßige gynäkologische Überwachung und die notwendigen therapeutischen Behandlungen wegen ihrer geschädigten Wirbelsäule – alles in Celle – sind kräftezehrend und müssen oft ausfallen, weil die Wege und der Zeitaufwand zu groß sind. Die Krachts sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Zudem hat der Familienvater eine Arbeitsstelle, die ihn trotz geringer Bezahlung regelmäßig auch nachts und am Wochenende von der Entlastung seiner Frau abhält. Die Familie lebt von seinem Gehalt und ergänzender Sozialhilfe.

„Jetzt, wo die Kinder in den Kindergarten und die Schule gehen, würde ich gerne etwas dazu verdienen, aber dazu müsste ich mobil sein.“ Ein Auto ist in der Familie vorhanden, aber das Geld für den Führerschein fehlt. Dass sich mit der Mobilität auch die Situation ihrer Gesundheitsversorgung verbessern könnte, stellt die tapfere Frau hintan – „aber ich könnte dann die Therapiestunden für Luka und die Förderstunden für Hanna besser erreichen.“

Von Doris Hennies