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Celle Ortsteile Taxifahrer überwältigt bewaffnete Räuber
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Taxifahrer überwältigt bewaffnete Räuber
17:45 22.02.2012
Von Christoph Zimmer
sait suleymanov Quelle: Christoph Zimmer
Celle

Eigentlich war es ein Auftrag wie jeder andere auch für den Celler Sait Suleymanov. Bitte einmal nach Lachendorf, sagten die beiden dunkel gekleideten jungen Männer, die am 12. Februar gegen 2.30 Uhr in Altencelle in sein Taxi stiegen. Ein genaues Ziel haben sie nicht genannt, gesprochen haben sie auch nicht während der Fahrt. Im Hintergrund lief Musik aus dem Radio. "Aber was dann passiert ist", erinnert sich der 28 Jahre alte Suleymanov, "kann ich immer noch nicht glauben. Es war wie in einem Film." In Sekundenbruchteilen hatte er die beiden Räuber, die ihn mit einem Messer und einer geladenen Waffe überfallen wollten, überwältigt und einen von ihnen so lange festgehalten, bis die Polizei eintraf. Gegen die 20 und 21 Jahre alten Männer aus Eschede wird nun wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung ermittelt.

Aber was war eigentlich genau passiert? Einer der beiden Fahrgäste hatte auf einem Parkplatz in der Sprache - er hatte vorgegeben, dringend pinkeln zu müssen und war ausgestiegen - eine geladene Waffe gezogen, auf Suleymanov gerichtet und ihn aufgefordert, sofort aus dem Taxi auszusteigen. "Gedacht habe ich in dem Moment eigentlich gar nichts", sagt Suleymanov. Aus einem Reflex und mit einem Selbstverteidigungsgriff hat er dem Täter die Waffe abgenommen, der daraufhin in den Wald flüchtete.

Als ihn auch der andere Fahrgast, der hinter ihm saß, mit einem Messer bedrohte, sprang er aus dem Taxi, das in einen Graben rollte. Er hat ihm das Messer abgenommen und mit der Pistole, in der vier Kugeln waren, auf dem Boden festgehalten, bis die von ihm gerufene Polizei eintraf. Und: Mit seinem Handy filmte er den Mann. "Falls er geflüchtet wäre, wollte ich ihn der Polizei beschreiben können", sagt Suleymanov. "Denn ich hatte nie die Absicht, die Waffe auch zu gebrauchen." Er hat lange Judo gemacht, beherrscht die Selbstverteidigung.

Er sei froh, "dass niemandem etwas passiert ist", sagt Suleymanov. "Wir hatten alle einen großen Schutzengel, immerhin war die Waffe geladen. Da hätte sich leicht ein Schuss lösen können." Warum er so gehandelt hat? "Das weiß ich nicht", sagt Suleymanov, "in diesem Augenblick habe ich gar nicht darüber nachgedacht, was richtig und was falsch ist." Als er nachts nach Hause kam, hat er erstmal seine Freundin und den gemeinsamen Sohn in den Arm genommen. "Ich bin einfach nur glücklich, dass ich gesund bin." Sein Arbeitgeber hat ihm angeboten, erstmal zu Hause zu bleiben. Aber zwei Tage später hat er wieder die Nachtschicht gefahren. Er fährt immer die Nachtschicht, seit fünf Jahren. "Da gibt es mehr Trinkgeld und der Verkehr ist ruhiger." Angst habe er nicht. Aber er kennt einen Kollegen, der nach einem Raubüberfall nie wieder ein Taxi gefahren ist. Herzinfarkt. "Er leidet bis heute darunter." Vorsichtig ist er aber schon. Aufträge nehme er nur an, "wenn die genaue Adresse und die Namen bekannt sind."

Celle - ein gefährliches Pflaster für Taxifahrer? "Nein", sagt Guido Koch, der Polizeisprecher. Hier sei es nicht gefährlicher als anderswo. In den vergangenen fünf Jahren sind fünf Taxifahrer überfallen worden. Grundsätzlich rät Koch, in Situationen wie diesen nicht einzugreifen und auf die Forderungen der Räuber einzugehen. "Man weiß nie, welche kriminellen Energien die Menschen haben. Einigen ist alles egal, um an Geld zu kommen." Hab und Gut seien ersetzbar, "es sind die Verletzungen, die bleiben - körperlich und seelisch".

Die Ermittlungen in dem Fall dauern laut Staatsanwaltschaft an. Aber eine Anklage sei wahrscheinlich, hieß es. Gegenüber dem Haftrichter seien die beiden Männer bereits geständig gewesen. Ihnen wird versuchte schwere räuberische Erpressung vorgeworfen. Im Augenblick ist aber noch unklar, ob beide - eine Anklage vorausgesetzt - nach dem allgemeinen Strafrecht verurteilt werden würden. Dieses sieht eine Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren vor.