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Celle Ortsteile Tempo 30 in Celle: Nachtruhe geht vor Schulwegsicherheit
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Tempo 30 in Celle: Nachtruhe geht vor Schulwegsicherheit
19:39 27.04.2016
Vor der Grundschule in Garßen gilt Tempo 50 für den Straßenverkehr. Für einen sicheren Schulweg haben die Kinder nur einen Zebrastreifen. Quelle: Michael Schäfer
Garßen

Claudia Wendenhorst ergänzt: "Hier in Celle ist wohl die Sicherheit der Kinder nicht so wichtig, wie die Ruhe der Anwohner." Auf der Alvernschen Straße herrsche ein reger Verkehrsbetrieb, auch viele Lastwagen rauschten am Schulweg entlang. Wendenhorst engagierte sich vor einigen Jahren bereits in einer Elterninitiative für Tempo 30 – "leider ohne Erfolg." Zwar sei die Alvernsche Straße eine Kreisstraße, doch die Politik "hätte die Möglichkeit gehabt, eine Ausnahme zu machen. Zum Wohl der Grundschulkinder."

Nach Worten von Stadtsprecher Wolfgang Fischer mussten an Hauptverkehrsstraßen vor Schulen bisher immer Verkehrsgefährdungen, also Unfälle, nachgewiesen werden, um Tempo-30-Regelungen umzusetzen. "Wegen dieser Hürde haben sich Verkehrsbehörden damit immer schwer getan", sagt er.

Nun hat die Verkehrsministerkonferenz der Länder beschlossen, dass Tempo 30 vor Schulen und Kindergärten künftig ohne irgendwelche Nachweise gelten soll. Hierzu müsse erst die Straßenverkehrsordnung geändert werden, so Fischer. Der Bundesverkehrsminister habe diese Änderung für den Herbst 2016 angekündigt. "Wenn diese dann rechtskräftig ist, dürfte der Regelung in Garßen nichts mehr im Wege stehen", erklärt Fischer. "Die Tempo-30-Regelungen aus Lärmschutzgründen haben eine andere Rechtsgrundlage. Diese ist vor der Schule in Garßen nicht anwendbar."

Garßens Ortsbürgermeister Andreas Reimchen (CDU) sagt zur heutigen Situation: "Mir persönlich und auch allen anderen Ortsratsmitgliedern ist die Schulwegsicherung sehr wichtig." Er teile auch die Meinung von Frau Wendenhorst, dass der Verkehr auf der Alvernschen Straße in den letzten Jahren massiv zugenommen habe: vor allem der Schwerlastverkehr durch „Mautflüchtlinge“ und größer werdende landwirtschaftliche Fahrzeuge. "Also Anlass genug, die Situation neu zu überdenken", findet Reimchen. Bei der nächsten Ortsratssitzung am Mittwoch, 22. Juni, stehe das Thema daher schon auf der Tagesordnung. Zum künftigen generellen Tempolimit vor Schulen kündigt er an: "Wir wollen die ersten sein, die von der neuen Rechtslage profitieren."

Nach Angaben des Ortsbürgermeisters wird vor der Sitzung die alljährliche Besichtigungsreise des Ortsrates zusammen mit dem Oberbürgermeister stattfinden. Diese Radtour sei öffentlich. "Hier bietet sich eine gute Möglichkeit, Veränderungen konstruktiv miteinander zu besprechen", so Reimchen. Der Ortsrat sei zwar bei der Alvernschen Straße nicht der Entscheidungsträger. "Unsere Erfahrung ist aber, dass den Entscheidungsträgern die Ortsratsmeinung – gerade in solchen Fragen – sehr wichtig ist."

Von Dagny Rößler