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Celle Ortsteile Theatrale Celler Großinstallation "Projekt 598" startet
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Theatrale Celler Großinstallation "Projekt 598" startet
14:09 25.02.2014
Von Andreas Ziesemer
Chefdramaturg am Celler Schlosstheater: Tobias Sosinka Quelle: Benjamin Westhoff
Klein Hehlen

Wie ist die Idee zum „Projekt 598“ entstanden?

Regisseurin Vanessa Wilcke kam auf die Idee, sich den Themen Demokratie und Parlamentarismus mit den künstlerischen Mitteln des Theaters zu nähern. Anlass ist das 65-jährige Bestehen des Deutschen Bundestages im Sommer 2014. Der Deutsche Bundestag hat 598 feste Sitze. 598 Menschen aus Celle und dem Landkreis aller Generationen und verschiedenstem Herkommen sind eingeladen, sich in das Theaterprojekt einzumischen.

Es wird immer von Politikverdrossenheit gesprochen. Warum glauben Sie, die Bürger für solch ein Projekt begeistern zu können?

Wir wollen dazu anstiften, dass Menschen, die sich vorher noch nie begegnet sind, sich gemeinsam mit den Grundlagen des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft beschäftigen. Und das auf spielerische Weise. Auf Politikverdrossenheit sollten wir nicht mit Verdrossenheit reagieren, sondern, und das ist der Anfang aller Demokratie, miteinander kommunizieren.

Stichwort Neue Medien – wie gedenken Sie, die Zahl von 598 Mitwirkenden zu erreichen?

Wir freuen uns über das rege Interesse der regionalen Medien, vor allem der Celleschen Zeitung. Aber auch Social Media-Plattformen werden für Vernetzung untereinander eine große Rolle spielen. Am morgigen Sonntag werden wir nach der ersten Informationsmatinee unsere Facebook-Seite zu „598“ ins Rennen schicken.

Mit dem Projekt verlassen Sie den „Elfenbeinturm Schlosstheater“ und begeben sich sozusagen auf das platte Land. Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Was heißt denn „Elfenbeinturm“? Das Schlosstheater ist in den letzten Jahren nicht nur mit seinen Spielplänen, sondern auch mit zahlreichen Formaten in die Region hinausgegangen und hat seine Pforten immer weiter geöffnet für Mitwirkung. Für mich bedeutet Theaterarbeit immer ein öffentliches und politisches Wirken in die Gesellschaft hinein. Das fängt an bei Projekten wie dem Mehrgenerationenprojekt „Doppelherz“ und greift bis hin zu allein 20 zusätzlichen Veranstaltungen zur Uraufführung „Altensalzkoth“, die deutlich gemacht haben, dass Theater als gesellschaftliches Forum funktionieren kann und muss. Was ich mir für die Zukunft erhoffe? Teilhabe. Von mindestens 598 Menschen.

Richtet sich die Aufforderung mitzumachen nur an Gruppen oder auch an Einzelpersonen?

Mitwirken kann jeder. Wir werden sowohl mit bestehenden Gruppen und Vereinen arbeiten, als auch mit interessierten Einzelpersonen neue Gruppen aufbauen, die unter professioneller Anleitung einzelne Szenen entwickeln und erarbeiten, welche im Juni zu einem kollektiven Gesamtkunstwerk zusammenfließen. Ein erstes Treffen Interessierter gibt es am 23. Februar um 11.30 Uhr im großen Saal des Schlosstheaters.

Wie zeitintensiv werden sich die Proben für den Einzelnen gestalten?

Jedem Teilnehmer wird die Möglichkeit geboten, die Intensität seiner Mitwirkung selbst zu bestimmen. Es wird Gruppen geben, die sich im wöchentlichen Rhythmus treffen und solche, die in größeren Zeitintervallen zusammenfinden. Eins ist sicher: Es wird sich für jeden eine Aufgabe finden.

Wie gedenken Sie, die logistischen Anforderungen, die eine so große Produktion erfordert, zu meistern?

598 klingt vielleicht etwas größenwahnsinnig, ist aber für einen Betrieb wie das Schlosstheater Celle mit seinen professionellen Abteilungen durchaus zu leisten. Nicht zuletzt macht das die zusätzliche Unterstützung durch den Fonds „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ möglich. Auch mit den verschiedenen Fachbereichen der Stadt Celle stehen wir in regem Austausch.

Wo wird das „Projekt 598“ aufgeführt und ist der Besuch der Veranstaltung kostenlos?

Wir planen, das „Projekt 598“ als theatrale Großinstallation im Schlosspark aufzuführen. Und es wäre schön, wenn 598 Menschen auf der Bühne stehen und zehnmal so viele Menschen am 15. Juni 2014 den Schlosspark bevölkern.