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Celle Ortsteile Tier-Martyrium durch Drahtzäune
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Tier-Martyrium durch Drahtzäune
12:37 14.06.2012
Von Michael Ende
Drahtz‰une wie dieser kˆnnen insbesondere f¸r Rehe zur Todesfalle werden. Quelle: Michael Ende
Boye

BOYE. Günther Seiche ist anzumerken, dass er erschüttert ist. Verständlich, denn der Boyer Jagdpächter hat die Geschichte eines völlig sinnlosen und qualvollen Todes eines Tieres zu erzählen - verursacht durch menschliche Gleichgültigkeit.

Das Sterben des starken Rehbocks habe zwei Wochen vor seinem Tod begonnen, erinnert sich Seiche. Damals sei der Jäger von Spaziergängern darüber informiert worden, dass am Allerrandweg ein Rehbock mit abgerissenem Hinterlauf gesehen worden sei. Trotz Suche und intensiver Beobachtung dieses Bereiches habe er das verletzte Reh nicht gefunden, so Seiche: "Meine Vermutung war, dass wieder einmal ein Stück Rehwild sich in einem der Flechtdrahtzäune an den Allerwiesen verfangen hatte und dann, beim verzweifelten Befreiungsversuch, sich den Hinterlauf abriss. Leider finde ich immer wieder Rehwild in dieser Situation - noch im Zaun hängend - vor. Im Versuch sich zu befreien, reißt es sich das Fleisch bis auf die Knochen herunter oder sogar Gliedmaßen ab, bleibt doch hängen und verendet nach vielen Stunden qualvoll. Oder ich finde es noch lebend und muss es dann erlösen."

Der Gedanke, dass dort draußen ein leidendes Tier unterwegs war, begleitete Seiche in den nächsten 14 Tagen. Dann wurde der kranke Bock gesichtet: "Ein Wiesen- und Waldbesitzer kam zu mir und berichtete sichtlich ergriffen: Günther, bei mir auf der Wiese liegt ein Rehbock mit abgerissenem Hinterlauf, kannst Du das Tier erlösen? Als wir an der besagten Stelle ankamen, war der Rehbock verschwunden. In der Annahme, dass es sich um den Bock handelte, der schon vor zwei Wochen gesehen wurde und sehr geschwächt sein musste, suchten wir nach. Ohne Erfolg." Ein Schweißhund musste her.

Mit seiner Hilfe wurde der Bock aufgespürt und das Leiden des Tieres beendet. "Erst jetzt konnten wir dass ganze Ausmaß der Verletzung erkennen. Der Oberschenkelknochen ragte 15 Zentimeter aus der Keule heraus, weiß und blank. Die Maden hatten in den vergangenen Tagen das Fleisch abgefressen. An den Sehnen hing die abgerissene Hälfte des Laufes herunter", sagt Seiche. Das Tier sei völlig abgemagert gewesen: "Ein Bild des Jammers. Eine gequälte Kreatur, die stumm anklagend vor uns lag."

Für Seiche ist die Ursache des Geschehens ein überflüssiger Flechtdrahtzaun: "Keine Wiese muss damit eingezäunt werden, um als Pferdekoppel zu dienen. Diese Flechtdrahtzäune werden, im Gegensatz zu einem Stacheldrahtzaun oder anderem Koppelmaterial, unter den Rehwild durchschlüpfen kann, immer wieder zur tödlichen Falle. Die Wiesenbesitzer und Pächter, die auf diese Art der Einzäunung verzichten, leisten einen wertvollen Beitrag zum Erhalt einer Umwelt, in der auch unser heimisches Wild eine Chance hat." Seiche hofft, dass sein Appell gehört wird - und dass er irgendwann nicht mehr Tiere aus tödlichen Draht-Fallen bergen muss.