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Celle Ortsteile Tierschutzinstitut zieht um: Celle verliert 66 Arbeitsplätze
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Tierschutzinstitut zieht um: Celle verliert 66 Arbeitsplätze
20:54 10.09.2017
Von Dagny Siebke
Was wird aus dem neun Hektar großen Gelände zwischen Altenhäger Kirchweg und Wachtelweg? Das Friedrich-Loeffler-Institut wird Celle 2021 verlassen, da das ITT nach Mariensee umzieht. Aus Sicht der Stadtverwaltung hat der Standort "Entwicklungspotenzial". Quelle: Thomas
Celle

Im Verwaltungsgebäude des Institut für Tierschutz und Tierhaltung (ITT) gibt es einen Hörsaal, in dem sich zur Geflügeltagung Wissenschaftler und Praktiker über Tiergesundheit austauschen. Zum neun Hektar großen Gelände gehören außerdem sieben Versuchsställe für Geflügel. Seit 2008 ist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) der Hausherr an der Dörnbergstraße. Die Bundeseinrichtung hat Großes vor und investiert 72 Millionen Euro, nur leider nicht in Celle. Denn im Jahr 2021 ist der Umzug zum Standort nach Mecklenhorst geplant.

Mecklenhorst gehört zu Neustadt am Rübenberge. In der Region Hannover will die Leitung des FLI Forschungseinrichtungen konzentrieren, die bislang auf drei Standorte verteilt sind: Das Institut für Nutztiergenetik (Mariensee) soll dort mit dem Institut für Tierernährung aus Braunschweig sowie dem Institut für Tierschutz und Tierhaltung aus Celle zusammengeführt werden.

Momentan kommt das FLI auf fünf Standorte, doch nach der Zusammenlegung soll es nur noch drei Niederlassungen geben: Der Hauptsitz befindet sich auf der Insel Riems. Neben Mecklenhorst soll es nur noch einen weitere Filiale in Jena geben.

"Der Umzug ist unumstößlich", betont Professor Lars Schrader, Leiter des ITT in Celle. Seit 2008 plant das FLI den Umzug mit einer Bedarfserhebung. Seit einigen Monaten steckt das Institut in der Detailplanung. "Geschichtlich ist die Struktur so gewachsen, doch inhaltlich macht es Sinn, gemeinsam Ressourcen zu nutzen", sagt Schrader. Da in Mecklenhorst alles neu geplant werde, gebe es dort eine deutlich bessere Infrastruktur. So soll zum Beispiel auch ein tierexperimentelles Zentrum entstehen.

In Celle wurde im April 1935 ursprünglich eine Versuchs-und Forschungsanstalt für Seidenbau eingerichtet. Ab 1942 wurden die Aufgaben auf Bereiche der Kleintierzucht ausgedehnt. Im Laufe der 1960er Jahre konzentrierte sich die Forschung auf Geflügel. Bis heute werden in Celle ideale Haltungsbedingungen für Hühner und Puten untersucht. "Eine Erweiterung auf Großtiere ist in der stadtnahen Lage nicht möglich. Für Schweine- und Rinderställe bekommen wir keine Genehmigung", erläutert Schrader. "Auf dem platten Land ist es deutlich einfacher."

Die Belegschaft muss ab 2021 rund 50 Kilometer weiter zur Arbeit fahren. Insgesamt 66 Mitarbeiter treiben in Celle die Forschungsarbeit im Dienste des Tierwohles voran. 14 Wissenschaftler arbeiten an der Dörnbergstraße, doch zum überwiegenden Teil der Beschäftigten gehören technische Angestellte. Auch das neue Labor für den Fachbereich "Transport und Schlachtung" soll umziehen.

Offen ist noch, was aus den Gebäuden und dem Gelände in Celle werden soll. Bereits vor zehn Jahren hatte die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Interesse an einer Zweigstelle bekundet, um einen Tierschutz-TÜV einzurichten. Doch Hochschulsprecherin Sonja von Brethorst sagt: "Aktuell ist das überhaupt kein Thema mehr."

Der geplante Umzug des Friedrich-Loeffler-Instituts ist auch der Stadtverwaltung längst bekannt. "Wir haben ein städtebauliches Interesse an dem Gelände und auch bereits Gespräche aufgenommen", sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. Das heißt, "dass Gebiet aus unserer Sicht Entwicklungspotenzial hat."

Neuigkeiten im Gepäck haben könnte am Montag Dr. Maria Flachsbarth. Sie ist Parlamentarische Staatssekretärin im zuständigen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und besichtigt das ITT.