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Celle Ortsteile Tödliche Attacke in Celler Bahnhofstraße aufgeklärt
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Tödliche Attacke in Celler Bahnhofstraße aufgeklärt
09:48 15.04.2013
Von Christoph Zimmer
Mit einer Phantomskizze hatte die Polizei nach dem Messerstecher gefahndet Quelle: nicht zugewiesen
Celle

Die Last der Schuld drohte den Täter zu erdrücken: Nach Informationen der Celleschen Zeitung hatte sich der Mann selbst in psychiatrische Behandlung gegeben und sich einem Arzt der Klinik offenbart. Daraufhin habe dieser die Polizei verständigt. "Das ist richtig“, bestätigte Oberstaatsanwalt Witold Franke auf CZ-Nachfrage am Sonnabend, „er hat sich selbst mit der Tat in Verbindung gebracht.“ Der mutmaßliche Täter, gegen den wegen Totschlags ermittelt wird, sei in einer geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie einstweilig untergebracht. Für psychisch auffällige Menschen ist das die Alternative zur Untersuchungshaft.

Nachdem der Mann im April in behördliche Gewahrsam genommen wurde, habe er „vor dem Haftrichter eingeräumt“, dass er die Messerattacke begangen habe. „Da die Aussagen glaubhaft waren, ist ein dringender Tatverdacht gegeben“, erklärte der Oberstaatsanwalt. Allerdings müssten noch weitere Befragungen durchgeführt und Spuren gesichtet werden. Einzelheiten wollte Franke „aus Rücksichtnahme auf die besondere Situation“ des psychisch kranken Mannes nicht nennen. Außerdem müsse noch geprüft werden, ob die psychische Erkrankung des Mannes eine Rolle für das Tatgeschehen gespielt habe. Schuldfähig oder psychisch krank: Das soll das psychologische Gutachten eines Sachverständigen klären. Im Fall einer möglichen Verurteilung würde es darüber entscheiden, ob er ins Gefängnis oder in die geschlossene Abteilung eines Landeskrankenhauses müsste.

Nach wie vor unklar ist das Motiv für die Tat. „Es spricht im Moment nichts dafür, dass es eine persönliche Beziehung zwischen den beiden Männern gegeben hat“, sagte Franke. Beide gelten allerdings als "ausgesprochen impulsiv", wie es aus Polizeikreisen heißt. Gut möglich also, dass sie einander in der Bahnhofstraße am 29. November 2011 zufällig begegnet und in einen Streit geraten sind, den Remisiusz R. mit dem Leben bezahlen musste. Auf der Flucht verletzte der mutmaßliche Täter auch einen 14 Jahre alten Jungen am Arm.

Es war einer der schwierigsten Fälle, der die Celler Kriminalpolizei in den vergangenen Jahren beschäftigt hat. Lange hatten die Beamten der Mordkommission, die mit Handzetteln und Videoaufnahmen nach Zeugen der gesucht hatten, keine heiße Spur. Offenbar hatte niemand die Bluttat beobachtet. Am Ende half Kommissar Zufall. „Es kommt nicht alle Tage vor, dass man sich selbst gegenüber einem Arzt der Tat bezichtigt“, sagte Franke. Wann es zur Anklage kommt, steht noch nicht fest. „Das lässt sich im Moment noch nicht seriös prognostizieren.“