Trauer und Arbeit liegen nah beieinander
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Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Trauer und Arbeit liegen nah beieinander
17:20 02.11.2018
Volkhard Brosy pflanzt auf einem Grab winterfeste Heide und Alpenveilchen. Quelle: David Borghoff
Hehlentor

Auf den ersten Blick liegt der Stadtfriedhof Celle am Freitagmorgen um halb zehn ruhig und verlassen da. Der Himmel scheint sich nicht recht entscheiden zu wollen, ob er sich heute in blau oder grau präsentiert. Ein seichter Wind weht die leuchtend gelben Blätter auf die Wege. Es ist eine friedliche Atmosphäre. Lediglich zwei Autos und der Lärm eines Rasenmähers deuten darauf hin, dass sich irgendwo auf dem weitläufigen Gelände Menschen befinden.

Und tatsächlich, nur kurze Zeit später taucht hinter dem nächsten Busch Volkhard Brosy mit seiner Schubkarre auf. Er hat gerade ein beträchtliche Menge Laub von einem Grab gekehrt. „Es gibt viel zu tun, es muss alles winterfest gemacht werden“, erklärt er, als er merkt, dass er beobachtet wird. Seine Firma kümmert sich derzeit um ungefähr 50 Ruhestätten auf dem Stadtfriedhof. „Der Job verlangt eine ganze Portion Einfühlungsvermögen, denn viele Kunden sind sehr empfindlich.“ Doch das sei meist kein Problem. „Ich bin gerne auf dem Friedhof. Hier kann man in Ruhe arbeiten.“

Er ist gerade dabei winterharte Pflanzen wie Heide, Gräser und Alpenveilchen einzupflanzen. Nebenbei erzählt er von seinem Lieblingsort, dem Garten Rosenfrieden. „Dieser Bereich ist mit Strauchrosen, Kletterrosen und Beetrosen bepflanzt. Der Ort für die Urne kann zuvor nach Art der Rosenpflanze, der Lage oder nach den persönlichen Vorlieben gewählt werden.“ Eine weitere Besonderheit sei, dass dieser Ruheplatz das ganze Jahr von Rosengärtnern gepflegt werde.

Während Brosy sich wieder seinem nächsten Projekt widmet, kommt die Cellerin Birgit Wessolek gerade an der Friedhofskapelle vorbei. Für sie ist der Stadtfriedhof nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern vor allem ein liebgewonnenes Fleckchen für einen kleinen Spaziergang. „Ich komme immer her, wenn ich ein bisschen Entschleunigung vom Alltagsstress brauche“, verrät sie. Manchmal laufe sie nur vom einen Tor zum anderen, oft schaue sie sich aber auch die Grabstätten an. „Hier komme ich zur Ruhe und seien wir mal ehrlich: Am Ende landen wir doch eh alle mal hier“, sagt sie schmunzelnd und setzt ihre morgendliche Runde freudig fort.

Weniger begeistert, aber voller Arbeitseifer nähert sich das Ehepaar Groß einer gepflegten Ruhestätte. Sie kümmern sich seit nunmehr 15 Jahren um das Grab eines Familienmitglieds. Heute bringen sie ein winterliches Gesteck mit. „Frische Blumen bringen ja bei dem derzeitigen Wetter nicht so viel“, bemerken sie. Ungefähr einmal im Monat kämen sie her, um Blätter, Unkraut und verwelkte Pflanzen abzusammeln und alles wieder ansehnlich zu machen.

Im nächsten Moment verändert sich die Stimmung auf dem Friedhof. Das Gefühl von Tatendrang weicht Beklommenheit. Ein Trauerzug, ganz in schwarz, wird vom Pastor aus der Kapelle hinaus geleitet. Direkt hinter ihm geht ein Mann, der eine geschmückte Urne trägt. Und plötzlich kehrt die Erkenntnis zurück, dass es hier auch viele traurige und verzweifelte Momente gibt. Jeden Tag, auch Freitagmorgen um kurz nach halb zehn.

Von Marie Nehrenberg

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