Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Trauerfeiern sorgen für Ärger
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Trauerfeiern sorgen für Ärger
18:35 28.12.2016
Von Gunther Meinrenken
Wenn Gäste der ezidischen Trauerfeiern die Straßen im Gewerbegebiet Westercelle zugeparkt haben, gibt es oft kein Vor und Zurück mehr. Behindert werden dabei auch Feuerwehrfahrzeuge. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Die Falschparker sind fast ausnahmslos Gäste von Begräbnisfeiern des nahegelegenen Ezidischen Kulturzentrums (EKZ), das in der Straße „An der Koppel“ angesiedelt ist. Gewerbetreibende sprechen von bis zu 1000 Gästen, die bei den zwei bis drei Tage dauernden Trauerfeiern Abschied von den Verstorbenen nehmen wollen. Die Besucher kommen dabei aus dem gesamten Bundesgebiet, vornehmlich aus dem norddeutschen Raum. Das Problem: Auf dem Gelände des EKZ sind nur um die 40 Parkplätze vorhanden.

„So parken die Gäste, wo sie wollen. Halteverbote werden nicht beachtet. Kreuzungsbereiche werden zugestellt und auch Grundstückseinfahrten. Das bedeutet für die Gewerbebetriebe, dass die Lkw nicht mehr richtig vom Hof fahren können“, sagt der Celler Gerüstbauer Eberhard Niewerth. Andere Betriebe berichten, dass sie massive Probleme mit ihrem Lieferverkehr hätten. „Die Lastwagen müssen auf der Straße stehen bleiben, weil sie nicht aufs Grundstück fahren können. Wenn dann ein anderer Lkw kommt, geht es nicht mehr vor oder zurück“, so ein Celler Firmenchef.

Auch an einer anderen Stelle zeige sich, dass das EKZ für solche Besuchermassen nicht ausgerichtet sei. Niewerth hat Videoaufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen zu sehen ist, wie Gäste der Trauerfeiern ihre Notdurft auf seinem Gelände verrichten. „Jede Gaststätte wird zugemacht, wenn dort solche Zustände herrschen“, fragt er sich, warum die Stadt nicht einschreitet.

Im Neuen Rathaus sind die Zustände bekannt, eine perfekte Lösung hat man allerdings nicht parat. „Im Alltagsbetrieb gibt es relativ wenig Störungen. Es sind die Begräbnisfeiern, die die Probleme bereiten“, so der zuständige Stadtrat Stephan Kassel. Wenn die Stadt über zugeparkte Einfahrten unterrichtet wird, werde man aktiv – zusammen mit der Polizei. Der „Polizeischutz“ kommt nicht von ungefähr. Denn die Gäste des EKZ sind nicht unbedingt einsichtig.

Das zeigt ein Vorfall, der sich im vergangenen Jahr ereignet und auch mit den Parkproblemen rund um das EKZ zu tun hatte. Beamte waren ins Gewerbegebiet gerufen worden, weil ein Anwohner einen Falschparker mit einem Gabelstapler blockiert hatte. Als die Beamten den Parksünder nach einer Beleidigung mitnehmen wollten, riss sich dieser los und wurde von den Polizisten „zu Boden gebracht“. Von einer Trauerfeier im EKZ wollten Kurden ihrem Landsmann zu Hilfe eilen. Die Polizei holte Verstärkung.

Die bisherigen Maßnahmen der Stadt sind bisher verpufft. „Die meisten Gäste kommen von außerhalb. Wenn wir wegen Falschparkens ein Ordnungsgeld aussprechen, trifft die das nur einmal. Aussicht auf langfristigen Erfolg hat das nicht“, erzählt der Leiter des Ordnungsamts, Edgar Frick.

Eine dauerhafte Lösung der Probleme verspricht sich die Stadt von Auflagen, die den Verantwortlichen im Ezidischen Kulturzentrum bei einem Runden Tisch gemacht wurden. Lange Zeit hatte der Vorstand die Probleme nämlich nicht als die seinen erkannt. Gewerbetreibende, die sich bei den Trauerfeiern direkt im EKZ über die Parkverstöße beschwert hatten, ernteten im besten Fall nur Schulterzucken oder wurden von den Gästen beschimpft.

Mittlerweile soll sich zumindest die Haltung des Vorstands geändert haben. „Eine Lösung der Parkplatzproblematik liegt uns sehr am Herzen. Dass wir ein Problem haben, wollen wir nicht abstreiten. Wir haben mehrfach versucht, mit der Stadt eine Lösung zu finden. Die Anzahl der Besucher deckt das EKZ von der Kapazität her ab, leider von der Anzahl der Parkplätze nicht“, so EKZ-Sprecher Ahmet Deniz. Dass Gäste ihre Notdurft auf anderen Grundstücken verrichtet hätten, bestreitet er.

„Die einfachste Lösung wäre es, mehr Stellplätze beim EKZ zur Verfügung zu stellen“, meint Stadtbaurat Ulrich Kinder. Das sehen die Verantwortlichen im Ezidischen Kulturzentrum genauso. Sie würden daher gerne ein benachbartes Waldgrundstück dazukaufen.

Kurzfristig hat die Stadt vor einigen Monaten zumindest die Grundstückseinfahrt von Jordan mit Pollern versehen. Entspannung soll ein Ordnungsdienst bringen, der seit ein paar Wochen vom EKZ gestellt werden soll. Doch richtig rund, läuft das nicht, auch wenn Stadtrat Kassel meint: „Wir erwarten, dass das EKZ sich an die Auflagen hält.“

„Ich kann bisher keine Verbesserung feststellen. Ich habe den Eindruck, die wissen gar nicht, was sie machen sollen“, äußert sich ein Gewerbetreibender. Polizeisprecher Thorsten Wallheinke ist auch noch nicht überzeugt: „Das hat bisher nicht den durchschlagenden Erfolg gebracht. Wenn der Ordnungsdienst jemanden wegschickt, parkt kurz darauf jemand anderes dort.