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Celle Ortsteile Übers Ziel hinaus geschossen?
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Übers Ziel hinaus geschossen?
16:18 07.03.2012
Von Michael Ende
Scheuen

SCHEUEN. Dass sich die Stadt Celle anders als der Landkreis nicht finanziell am Aufbau des Schießparks Celler Land in Scheuen beteiligen will, nimmt man in der Kreisjägerschaft zur Kenntnis. Wehren wollen sich die Waidmänner allerdings gegen als zu streng empfundene Umweltauflagen der Stadt. Es geht um Blei aus verschossenen Schrotpatronen und die Frage, ob das Schwermetall das Grundwasser verunreinigt.

Von einem auch von der Stadt anerkannten Gutachter genommene Bodenproben hätten nach drei Jahren Schießbetrieb ergeben, dass sich wie nicht anders zu erwarten Blei in den Schrotfangwällen befinde, sich aber keine bedenkliche Schwermetallbelastung im Grundwasser nachweisen lasse, so stellvertretender Kreisjägerschaftsvorsitzender Jan-Peter Dralle: "Es gelangt also nichts ins Grundwasser, und es ist auch kein Bedarf intensiv zu beproben oder Blei zu räumen—so die Gutachtermeinung."

In einem diesbezüglichen Gespräch mit Vertretern der Stadtverwaltung habe man bemerkt, dass die Stadt mit den Auflagen für den Schießstand über ein Novum zu entscheiden habe und sich nicht sicher sei, wie sie damit umgehen solle, so Dralle: "Einige Denkansätze, die bei diesem Gespräch geäußert wurden, muss ich nicht nur als Vorstandsmitglied, sondern auch als Wasserbauingenieur kommentieren. Bei uns sitzen keine spielenden und Sand essenden Kinder auf den Schrotfangwällen. Deshalb kann man die Grenzwerte für Bleibelastung im Sand auf Kinderspielplätzen nicht als Beurteilungsgrundlage für einen Schießstand heranziehen. Der Schrotfangwall ist ein technisches Bauwerk das die Aufgabe hat Blei aufzunehmen, und dieses Blei löst sich nicht im Boden auf wie Zucker im Kaffee. Und wenn man die Trinkwasserverordnung als Grundlage für die Beurteilung von Wasser in den Sammelgruben der Schrotstände nimmt, sollte man überlegen, ob Regenwasser oder Wasser in den Gewässern dritter Ordnung diesen Ansprüchen auch gerecht werden muss - dann kann kein Landwirt mehr wirtschaften"

"Die Reinhaltung des Grundwassers hat oberste Priorität. Aus gutem Grund sind die gesetzlichen Vorgaben hier sehr streng", sagt dazu der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer. Die Schießanlage liege recht tief, so dass eine Schicht von nur etwa einem Meter Boden bis zum Grundwasser anstehe: "Durch den Betrieb der Trap- und Skeetanlage sammeln sich dort jährlich mehrere tausend Kilo Bleischrot im Boden." Das bisherige Konzept sehe vor, dass einmal im Jahr Wurfscheiben und Bleischrot aufzunehmen und vorschriftsmäßig zu entsorgen seien, so Fischer: "Aus unserer Sicht reicht es nicht aus, punktuell und in größeren Abständen zu überprüfen. Wir gehen davon aus, dass nur eine regelmäßige Beräumung der Schießanlage Umweltschäden vermeidet."

Die von der Stadt geforderte intensive Beprobung verursache für die Jägerschaft unnötigerweise extrem hohe Kosten, so Dralle, der auf Einsicht im Rathaus hofft: "Wir wollen nur wie jeder andere Schießstand in Deutschland behandelt werden. Bis zum Mai legen wir ein Konzept zum Betrieb und zur Sanierung des Schießparks vor. Dieses Konzept erstellen wir mit anerkannten Gutachtern, die langjährige Erfahrungen auf diesem Gebiet haben und mit Experten, die die Bundesregierung beraten."