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Celle Ortsteile Ungewollte Sexpraktiken: Angeklagter freigesprochen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Ungewollte Sexpraktiken: Angeklagter freigesprochen
15:35 02.12.2011
Celle

Das Urteil bedeute allerdings nicht, dass der in 2009 zur Anklage gebrachte „Analverkehr unter Gewaltanwendung“ nicht stattgefunden habe, so die Strafrichterin des Celler Amtsgerichtes in ihrer Urteilsbegründung. Vielmehr habe man dem Angeklagten „die Schuld nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachweisen können“, sagte sie.

Gründe für die fehlende „Sicherheit, welche jeden vernünftigen Zweifel ausschließt“, sind laut Schöffengericht und Oberstaatsanwalt „zahlreiche Unstimmigkeiten" und „gravierende Verschiebungen“ in den Aussagen der Geschädigten. Diese hatte nämlich sowohl den eigentlichen Beginn ihrer damaligen Beziehung mit dem Beschuldigten, als auch den Zeitpunkt des angeklagten Tatgeschehens falsch eingegrenzt. Außerdem hatte sie im Vorfeld wesentliche Aspekte weggelassen, und andere zunächst dementiert.

Erst ihre erneute Vernehmung hatte einige „Korrekturen“ ergeben. Der Nebenklägervertreter erklärte die vom Oberstaatsanwalt als „defizitär“ bezeichneten Aussagen der Geschädigten mit ihrer damaligen Unreife. Sie sei „eine Jugendliche in der Selbstfindung“ und dazu „frisch verliebt“ gewesen. Die Nebenklägerin, die zur Tatzeit erst fünfzehn Jahre alt war, habe seinerzeit eine andere Wahrnehmungs- und zeitliche Einordnungsfähigkeit gehabt, hieß es seitens ihres Anwaltes.

Sie habe die Dinge aus ihrer Erinnerung heraus geschildert und daher bei späteren Vernehmungen wieder korrigiert. Diese „Korrekturen“ seien aber kein Indiz für eine nicht stattgefundene Vergewaltigung, so der Verteidiger. Der Verteidiger des Angeklagten berief sich in aller Kürze auf das Wesentliche: Das Gericht müsse dem Angeklagten die Schuld nachweisen, hieß es unter anderem in seinem Schlusswort. Man habe aber seinerseits schon damit anfangen müssen, seine Unschuld zu beweisen. Steht es aber „Aussage gegen Aussage“, so gilt: Im Zweifel für den Angeklagten.

Von Anke Prause