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Celle Ortsteile Untreuer Banker: Hohe Strafe gefordert
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Untreuer Banker: Hohe Strafe gefordert
17:39 16.06.2011
Lüneburg

  Fast 30 Einzelfälle zählt die Staatsanwältin im Rahmen ihres Plädoyers vor dem Landgericht Lüneburg auf, ordnet den unrechtmäßigen Abhebungen und Buchungen einen Betrag zu und summiert Geld und Freiheitsstrafen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe. Fünf Jahre soll der Kassierer der Celler Sparda-Bank laut Antrag der Staatsanwaltschaft ins Gefängnis, weil er insgesamt rund 624.000 Euro unterschlagen haben soll. Für seinen Komplizen, einen Bankkunden, dem der ehemalige Kassierer ohne Sicherheiten mehrere tausend Euro überlassen haben soll, hat die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe beantragt.

„Es ist unbefriedigend, weil viele Details im Dunkeln geblieben sind“, bedauert die Celler Staatsanwältin. Sie ist überzeugt, „dass der Komplize wusste, dass es sich bei den Geldübergaben im Umschlag auf Parkdecks um rechtswidrige Geschäfte gehandelt hat“.

Schon lange bevor das Treiben des Bankangestellten aufgefallen war, hatten seine Kolleginnen bemerkt, dass dieser Kunde sich vor der Geschäftsstelle „herumdrückte“ und wartete, bis der Angeklagte ihm persönlich zur Verfügung stand. „Nichts Ungewöhnliches“, hatte die Filialleiterin dazu gesagt, „viele Kunden entwickeln mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis zu unseren Mitarbeitern.“ Als einer Mitarbeiterin eine unberechtigte Buchung aufgefallen war, habe der Angeklagte zu ihr gesagt, es handele sich um einen EDV-Fehler in Hannover. Zugleich verwies er auf eine Taste, die den angeforderten Betrag freigab.

Diese „Egal-Taste“ sowie einige weitere Lücken des Sicherheitssystems hätten es dem Angeklagten sehr einfach gemacht, richtete Verteidiger Jan Molsen Kritik an den Arbeitgeber des Bankangestellten  und forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten für seinen Klienten.

Nach einem Rechtsgespräch hatte das Gericht noch vor Ende der Beweisaufnahme mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft die Buchungen vom Konto des Volleyball-Schiedsrichterausschusses eingestellt. Die Volleyballer hatten ihre Gelder über ein Privatkonto abgewickelt, das auf den Namen des Angeklagten lautete.

Das Urteil soll am kommenden Mittwoch gesprochen werden, kündigte Matthias Steuernagel, Vorsitzender der 2. Großen Strafkammer am Lüneburger Landgericht, an.

Von Angelika Jansen