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Celle Ortsteile Verpackungsfreies Einkaufen in Celle getestet
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Verpackungsfreies Einkaufen in Celle getestet
21:24 12.03.2015
    Selbsttest verpackungslos einkaufen Quelle: Benjamin Westhoff
Celle-Altstadt

Seit einer Woche hilft Katrin Prädel bei der Fleischerei Zimmermann aus. Nur zwei Kunden forderten bei ihr eine Extra-Behandlung und zückten ihre eigenen Frischhaltedosen. Mit prüfendem Blick schaut sie jetzt auf die leere Dose vor ihr auf der Ladentheke. Prädel streckt den Arm aus und legt das Stück Salami behutsam in der Dose ab. Normalerweise wird hier in der Metzgerei aus Hygienegründen beim Verkauf alles doppelt eingewickelt. Manche Kunden verzichten aus ökologischen Gründen zumindest auf ein Extra-Tütchen und nehmen die abgepackte Wurst in einen Leinenbeutel. Auch auf dem Wochenmarkt weiß Waltraud Hollwedel an der Fleischtheke, was beim Anblick der Vorratsdose zu tun ist: „Wir dürfen Ihre Dose nicht herübernehmen“, sagt sie.

Die Verkäuferinnen Prädel und Hollwedel haben sich ganz korrekt verhalten, so wie es das Amt für Veterinärangelegenheiten und Verbraucherschutz beim Landkreis wünscht. Sprecher Holger Harms sagt: „Es gibt zum verpackungsfreien Einkauf keine verbindlichen Regeln. Jeder Händler muss selbst entscheiden, ob er es zulässt.“ Die Verkäufer müssten nur sicherstellen, dass die Hygiene hinter der Ladentheke weiter gewahrt ist.

Auf den Weltmeeren bildet Kunststoff gigantische Müllteppiche. Nun will auch die Europäische Union dagegen vorgehen. „Was wir an Plastiktüten weggeben, ist schon beachtlich“, sagt Obst- und Gemüsehändlerin Heidi Fagin. Viele ihrer Kunden kämen ganz ohne Tasche oder Einkaufsbeutel an den Stand auf dem Celler Wochenmarkt und bevorraten sich reichlich. Bereits seit 28 Jahren verkauft Fagin Süßes, Saures und Gesundes. Vor vielen Jahren sind die Leute noch mit ihren Körben gekommen. Heute dienen auch Papiertüten als Verpackung. „Aber da gehen leider nicht acht Äpfel auf einmal rein“, betont sie.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Renate Höfert im Obst- und Gemüsegeschäft an der Zöllnerstraße gemacht. Viele ihrer Kunden tragen mehrere Taschen mit sich herum. Des Öfteren spricht Höfert sie beim Kauf von Obst an: „Geht das noch in Ihre Tasche hinein?“ Mitunter heiße es dann: „Nee, da soll noch etwas anderes hinein. Da nehme ich lieber noch eine Plastiktüte.“ Seit Kurzem greift auch Höfert zu Papiertüten. Vor einigen Jahren hat das Geschäft sogar noch eigene wiederverwendbare Beutel ausgegeben. Nur selten hätten sie aber den Weg zurück ins Geschäft gefunden.

An einem Nussstand auf dem Wochenmarkt sorgt die Metalldose nur für Umstände. Die Cashew-Kerne werden ohnehin in einer Plastiktüte abgewogen. „Ich habe kein Tara für Ihre Dose“, sagt die junge Verkäuferin und legt die Tüte beiseite. Zwei Jahre ist sie schon auf dem Wochenmarkt dabei. Äußerst selten kämen Kunden mit ihrer eigenen Verpackung.

Am Stand von Harald Schulz kann der Käse individuell portioniert werden. Routiniert reagiert er auf die Frischhaltedose, hält Abstand und legt die Käsescheiben rein. Ungefähr zwei, drei Mal täglich äußern seine Kunden diesen Extra-Wunsch. Schulz hat aber auch Abgepacktes: Vorratsstücke von 300 bis 500 Gramm Allgäuer Bergkäse für die Touristen. Genauso ist es an einem anderen Stand mit Tee, am übernächsten mit Nüssen. Für vieles ist es einfach praktischer.

Von Dagny Rößler