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Celle Ortsteile Verteidigungsministerin von der Leyen trifft Nerv der Celler Soldaten
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Verteidigungsministerin von der Leyen trifft Nerv der Celler Soldaten
16:08 17.01.2014
Von Michael Ende
Bei Celles Soldaten rennt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit ihrer Forderung nach mehr Familienfreundlichkeit in der Armee offene Türen ein. Quelle: dpa
Celle

"Zur richtigen Zeit die richtige Ministerin" - Oberstleutnant Heiko Tadge, Vorsitzender der Standortkameradschaft Celle im Deutschen Bundeswehrverband (DBwV), nötigt der Fleiß und die "enorme Durchsetzungsfähigkeit" Ursula von der Leyens Respekt ab: "Auch in der Truppe gibt es noch Skeptiker und Nörgler, aber das wird in den nächsten Jahren verstummen. Die Machos und Rambos müssen sich daran gewöhnen, dass auch eine Frau dieses Amt ausüben kann." Tadge gehe davon aus, dass von der Leyen die Armee "nach vorn bringen" werde.

Einen prominenteren Fürsprecher als die neue Ministerin könne man sich kaum wünschen, so Tadge: "Mit ihren Ideen zu mehr Familienfreundlichkeit und zur Attraktivitätssteigerung der Bundeswehr als Arbeitgeber greift sie zentrale Forderungen des DBwV auf." Sicherlich werde der Soldatenberuf nie ein Job wie jeder andere sein - "aber zu 75 Prozent ist der Friedensbetrieb zu Hause so, dass eine familienfreundliche Dienstplanung möglich sein muss."

Noch ist das längst nicht immer so. Tadge nennt ein Celler Beispiel: "Eine alleinerziehende Mutter kann nicht auf eine Fortbildungslehrgang an die San-Akademie in München geschickt werden, weil dort keine Kinderbetreuung möglich ist. " Die Betreuung der Kleinen sei auch für die vielen Pendler ein Problem, so Tadge: "Wenn ein Soldat 100 Kilometer fahren muss, hat morgens bei ihm zu Hause die Kita noch nicht offen, und in Celle besteht kein Anspruch auf einen Kita-Platz". Da wäre ein Betreuung innerhalb der Kaserne prima: "Der konkrete Bedarf muss noch geklärt werden." Eine Alternative zu einem "Betriebskindergarten" wäre eine Betreuung durch Tagesmütter.

Immerhin gebe es in Wietzenbruch schon Teilzeit-Modelle, so Tadge: "Manche Soldaten - etwa im Sanitätsdienst oder der Luftfahrzeugtechnik - können ihre Kinder morgens zur Schule bringen und nachmittags wieder abholen." Eine "hervorragende Idee" sei die zur Einrichtung von Lebensarbeitszeit-Konten, so Tadge, der außerdem fordert, dass der ungerechte Beförderungs-Stau abgebaut werden müsse.

"Wir arbeiten an Regelungen, die die Besonderheiten des Soldatenberufs und die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Einklang bringen", bekräftigt der Celler Bundestagsabgeordnete und sicherheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Henning Otte. Die Frage der Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber im Umkreis habe er bereits 2011 in seinem Heide-Verbund-Konzept aufgegriffen: "Gerade unsere Region ist geeignet, ein Vorzeigemodell für eine moderne Bundeswehr mit familienfreundlichen Versetzungsoptionen und langfristiger Planungssicherheit zu werden, weil man als Soldat im Landkreis Celle wohnend quasi sternförmig verschiedene Standorte in der Laufbahn ansteuern kann, ohne jedes Mal den Wohnort wechseln zu müssen. Auch das ist familienfreundlich." Michael Ende