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Celle Ortsteile Vier Zeitzeugen berichten über Flucht aus den Ostgebieten
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Vier Zeitzeugen berichten über Flucht aus den Ostgebieten
21:30 19.02.2010
Ein Porträtfoto vom Geschichtlehrer Steffen Mews. - Die Schüler Anna Oldenburger (19 Jahre), Elisabeth Gerter (18 Jahre) und Felix Schnee (19 Jahre) am PC bein Einscannen der Kinderbilder der Zeitzeugen. Quelle: nicht zugewiesen
Heese

Die Idee für den Dokumentarfilm „Kinder auf der Flucht“ wurde bei Steffen Mews, Geschichtslehrer am Hölty-Gymnasium, durch einen Brief von der Zeitzeugin Elisabeth Krahn geboren. „Ich brauchte für das letzte Semester in meinen Seminarfachkursus des 13. Jahrgangs noch eine Aufgabe und durch den Brief entstand dann die Idee eines Dokumentarfilms“, erklärt der 33-jährige. „Man kann den Film auch später noch in anderen Schulklassen verwenden“, berichtet Mews weiter.

Die 18 Schüler des Seminarfachkurses haben im November mit dem Projekt begonnen und in dieser Zeit in Gruppen Interviews mit den vier Zeitzeugen – Elisabeth Krahn, Manfred Kirinnis, Dieter Scholz und Roland Schluff, die um das Jahr 1945 aus den Ostgebieten fliehen mussten – geführt oder auch Beiträge über die einzelnen Ost-Regionen zusammengestellt.

Der 19-jährige Abiturient Felix Schnee ist stolz auf die geleistete Arbeit. „Es war teilweise relativ anstrengend ein so großes Projekt neben der Abi-Zeit zu erstellen, aber es war auch ziemlich interessant zu erfahren, was die Menschen damals erlebt haben“, so Schnee. Auch Elisabeth Gerter war anfangs ein wenig skeptisch wegen der vielen anfallenden Arbeit des Dokumentarfilms neben den Abiturprüfungen. „Es hat sich aber gelohnt, die Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht und ich warte sehnlichst auf das Endergebnis“, berichtet die 18-Jährige.

In dem 45 Minuten langen Dokumentarfilm werden neben den spannenden Schilderungen der Zeitzeugen und den Vorstellungen der Ost-Gebiete auch Ausschnitte aus den Originalwochenschauen zu sehen sein. „Es war relativ schwer an Filmaufnahmen aus dieser Zeit zu kommen, ohne viel Geld für Lizenzen zu bezahlen. Nach viel Arbeit und durch Glück bin ich dann allerdings an Originalfilmmaterial beim Bundesarchiv gekommen, bei dem nur die Leihgebühr gezahlt werden musste“, erzählt Mews. Am kommenden Montag wird der Film von den Schülern endgültig fertig gestellt. „Ich habe das mitbekommen, was Kinder eigentlich nicht erleben sollten und bin auf die Idee gekommen, das weiter zu tragen, um Menschen klarzumachen: wenn Erwachsene Krieg führen, leiden vor allem die Kinder darunter“, berichtet Zeitzeugin Elisabeth Krahn.

„Besonders wichtig ist mir, dass bei dem Film die Zeitzeugen – die aus der Sicht der Kinder erzählen – zu Wort kommen“, erklärt Mews. Im Anschluss des Dokumentarfilms können Fragen an die vier Zeitzeugen gestellt werden, die natürlich der Premiere beiwohnen werden.

●Premiere: Der Dokumentarfilm wird im Rahmen der Eventreihe des Hölty-Gym­nasiums „Zack die Bühne“

am Donnerstag, 25. Februar, um 19 Uhr im Theatersaal des Höltys gezeigt. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro.

Nähere Informationen und Karten unter s (05141) 43061oder

www.zack-die-buehne.de

Der Celler Manfred Kirinnis war zum Zeitpunkt der Flucht acht Jahre alt. Als er geflohen ist, ging ihm auch ein Stück Heimat verloren. Er fühlt sich zwar überall wohl, doch die wirkliche Heimat ist immer noch in Ostpreußen.

Elisabeth Krahn musste mit ihrer Familie in jungen Jahren aus Ostpreußen fliehen. Ihr Brief war ausschlaggebend für die Idee des Dokumentarfilmes. Für sie ist es schwer, zu akzeptieren, dass ihre Heimat jetzt zu Polen gehört.

Der aus Schlesien stammende Dieter Scholz war zum Zeitpunkt der Flucht 13 Jahre alt. Anfangs kam es ihm noch wie ein Abenteuer vor, doch als die körperlichen Kräfte nachließen, wurde er sich dessen Bedeutung bewusst.

Roland Schluff wuchs in Königsberg in Preußen auf. Zum Zeitpunkt der Vertreibung war er sieben Jahre alt. Noch heute hat er Schwierigkeiten das Land Polen zu nennen. „Für mich sind das die ehemaligen deutschen Ostgebiete.“

Von Isabelle Ziesemer