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Celle Ortsteile Vom Korn zum Mehl
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Vom Korn zum Mehl
14:29 06.03.2012
Handwerksserie: M¸ller Quelle: Lothar H. Bluhm
Westercelle

Die Bockwindmühle von 1704 in Hänigsen gehört der Familien-Vergangenheit an. Immerhin war der Westerceller Müllermeister Hans Schubotz über 40 Jahre Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes in der Region Hannover und belieferte die Backstuben der örtlichen Bäcker Laube und Müller mit dem Mehl aus eigener Produktion. Da verschwinde er in eine andere Zeit, die es nicht mehr gibt, habe der Vater immer wieder gesagt, wenn er von Westercelle nach Hänigsen fuhr, berichten die Söhne Gustav und Harald Schubotz heute.

Von Kind auf haben die beiden miterlebt, wie aus Korn Mehl gemacht wird und worauf zu achten ist. Bereits ihr Großvater Otto Schubotz war Müllermeister und Mühlenkaufmann: „Er wurde nach dem Krieg von seinem damaligen Arbeitgeber Kampffmeyer in Pommern nach Celle entsandt, um die Rathsmühle an der Aller wieder aufzubauen“, sagt Harald Schu-botz. Kein Wunder, dass Sohn Hans Müllermeister wurde. Er eröffnete am 8. Mai 1951 seinen eigenen Betrieb in Westercelle.

Hier arbeiten jetzt die beiden Brüder Gustav und Harald Schubotz als Müllermeister.

Roggen und Weizen liefern Landwirte aus Wathlingen, Nienhagen, Bröckel, Winsen, Altencelle oder auch Großmoor zur Erntezeit an die Mühle. „Wir haben Lagerkapazitäten für rund 1000 Tonnen“, zeigt Harald Schubotz auf die großen Silos neben der Mühle. Bevor das Getreide angenommen wird, muss es auf Trockenheit und auf Backwerte hin untersucht werden. „Notfalls müssen wir das Getreide trocknen, denn es darf höchstens eine Feuchtigkeit von 14 Prozent vorhanden sein“, kennt der Experte die Bedingungen.

„Tagtäglich wird das Getreide so zu einer Qualität gemischt, mit der der Bäcker gut zu recht kommt. Ohne Aufbaupräparate oder Chemie“, unterstreicht Schubotz die Qualitätskriterien. „Das ist ein ganz konventionelles Verfahren, wie vor hundert Jahren.“

Im Kreis Celle sei die Schu-botz-Mühle die einzige Spezialmühle, die den Handwerksberuf noch so ausübt, betont Schubotz. „Die Innung wurde wegen Nachwuchsmangels vor einigen Jahren aufgelöst.“

Getreideannahme, Trocknung, Schwarzreinigung, Weißreinigung, Vermahlung und Verladung zeichnet Schubotz den Fertigungsprozess für Mehl auf. Korn für Korn durchläuft die Weißreinigung, rund 1500 Kilo pro Stunde. Reinigen, sortieren, schälen, bürsten.

„Korn für Korn wie an einer Perlenschnur wird das Getreide optisch beschaut und farblich sortiert, bevor es 13 Mal gemahlen wird“, schildert Harald Schubotz die einzelnen Prozesse, bevor das Haushaltsmehl 405, das Bäckermehl 550, das Keksmehl 630 oder andere Mehlsorten aus den vibrierenden Holzkisten in die Säcke rieselt.

Die Holzdielen sind noch aus der Gründungszeit der Mühle. Ebenso wie das Herzstück der ganzen Mühle, die fünf Mahlwerke, Baujahr 1954.

Von Lothar H. Bluhm