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Celle Ortsteile Weiter offene Fragen zu Celles Vorgängerstadt "Tsellis"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Weiter offene Fragen zu Celles Vorgängerstadt "Tsellis"
16:25 04.09.2017
Von Michael Ende
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Altencelle

Einfach losgraben? Vor fast genau zwei Jahren hatte die WG im Celler Stadtrat nachgefragt, ob und wie die Stadt Celle die Forschungsarbeiten rund um Tsellis unterstütze. Jetzt liegt die Antwort der Verwaltung vor. Grabungen zu Forschungszwecken dürfen in Niedersachsen nur im Rahmen von Forschungsvorhaben unternommen werden, heißt es aus dem Rathaus. „Einfach so“ losgraben könne man nicht: „Das entsprechend dem Denkmalschutzgesetz zu erhaltende Bodendenkmal wird dabei im Sinne der Archäologie zerstört. Daher muss das wissenschaftliche Interesse der Ausgangspunkt und in geeigneter Weise belegt sein.“

Die „Tsellis“-Archäologin Cornelia Lohwasser habe aufgrund ihrer bisherigen Forschung Fragen erarbeitet, die weitere Untersuchungen und insbesondere Grabungen rechtfertigen könnten, so die Verwaltung: „Sie klärt derzeit, durch welche Universität ein weiteres Forschungsvorhaben zu Altencelle durchgeführt werden könnte und welche Mittelgeber in Frage kommen.“ Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) setze sich „im Rahmen der Möglichkeiten“ für die Fortführung der Erforschung von „Tsellis“ ein. „Die Stadt Celle wird deshalb die Erforschung bei der federführenden Universität, beim Land Niedersachsen sowie potenziellen Mittelgebern mit Nachdruck befürworten.“

Offene Fragen: „Ich möchte auf jeden Fall weiterforschen – muss aber gut vorüberlegen, in welche Richtung es gehen kann“, so Lohwasser. Interessant sei die Frage, wie weit sich innerhalb oder besser unterhalb der heutigen Ortschaft das alte Tsellis erstreckte. „Der genaue Aller- und der schiffbare Allerkanalverlauf wäre ebenfalls ein wichtiger Baustein für die Erstellung der historischen Topographie.“ Von einem zufriedenstellenden Gesamtergebnis der „Tsellis“-Forschungen sei man nicht zuletzt deswegen weit entfernt, weil während der vorerst letzten Untersuchungen auch neue Gegebenheiten und Fragen auftauchten: „Der interessanteste dieser Aspekte ist der Hafen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit östlich der Gertrudenkirche lag. Wie der Straßenzug am Steinweg ist er ein wertvolles Bodendenkmal, das hochinteressante Befunde und Funde vorhält.“

Gescheiterte Stadt: Nach Funden und Befunden können für Altencelle eine Siedlungsphase in der jüngeren vorrömischen Eisenzeit und weiterhin eine Siedlungskontinuität vom 11. Jahrhundert bis heute nachgewiesen werden. Warum „Tsellis“ um das Jahr 1292 zur Wüstung wurde, sei eine komplexe Angelegenheit."Möglicherweise war für den gesamten Ort eine Umgestaltung in gerade Straßen und komfortable Häuser geplant und konnte aufgrund irgendwelcher Hindernisse oder Widerstände nicht durchgeführt werden: im Osten die Aller, im Westen bewirtschaftete Felder,“ so Lohwasser. Dass die ganze Planung der damaligen versuchten Stadterneuerung an verschiedenen Faktoren gescheitert sei, zeige sich auch in der nicht vorhandenen Stadtmauer: „Die geplante Stadt ging nicht nur wegen des Brandes unter, sondern weil sie sich an dieser Stelle nicht weiter entwickeln konnte.“