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Celle Ortsteile Wo bleibt die Verstärkung?
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Wo bleibt die Verstärkung?
16:24 16.06.2011
Von Michael Ende
Fallschirmjäger im Manöver Quelle: nicht zugewiesen
Wietzenbruch

Hätte sich der ehemalige Doktor und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nicht beim Schummeln erwischen lassen, dann wäre seine Bundeswehrreform vielleicht schon „durch“ und der Heeresfliegerstandort Wietzenbruch nicht nur gesichert, sondern auch noch um Fallschirmjäger verstärkt. Doch der Mogel-Minister musste gehen, und sein Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) will zu Guttenbergs Reform-Konzept nicht komplett kopieren. Über die Schließung von Bundeswehr-Standorten soll im Oktober entschieden werden. Unterdessen brodelt die Gerüchteküche. Und in Celle, wo man sich schon als Teil eines neuen militärischen „Heide-Verbundes“ sah, wächst die Unruhe: Was wird aus Wietzenbruch?

Gewichtige Wörtchen hätten sie bei der Armee-Reform mitzureden, haben die Ministerpräsidenten der Länder erst jüngst bekräftigt, der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund fürchtet um die Standorte im Land, während in der gesamten Republik Lokalpolitiker vehement für ihre Standorte kämpfen. Hinter den Kulissen wird deswegen nicht nur intrigiert und antichambriert - es ist ein regelrechtes Hauen und Stechen im Gange. Dabei blieben Sachargumente allzu oft auf der Strecke, beobachtet Oberstleutnant Heiko Tadge, Vorsitzender der Standortkameradschaft Celle im Deutschen Bundeswehrverband (DBwV). „Nach vermehrt auftretenden Gerüchten um Aktivitäten politischer Entscheidungsträger zur Beeinflussung von Standortentscheidungen aufgrund lokaler Interessen habe ich mich mit elf weiteren regionalen Mandatsträgern des DBwV kurzfristig entschlossen, einen Brief an Bundesminister de Maizière und weitere Entscheidungsträger zu verfassen“, so Tadge.

Aus Sicht der Unterzeichner aus den Standorten Hannover, Wunstorf, Bückeburg, Munster und Celle sprächen die militärischen und wirtschaftlichen Gründe für den Erhalt dieser Standorte mit den zukünftig verbleibenden Dienststellen und für die teilweise Erweiterung dieser Standorte mit Dienststellen aus anderen Standorten, die wahrscheinlich aus eben genau diesen Gründen aufgegeben werden müssten, so Tadge. Über auf Celle bezogene Details will er sich nicht äußern. In Militärkreisen heißt es, dass die Verlegung der Luftlande- und Luftransportschule aus dem oberbayerischen Altenstadt nach Wietzenbruch im Gespräch sei.

Dieses Fallschirmjäger-Element, das derzeit Teil der Infanterieschule Hammelburg ist, wäre ein logischer, wichtiger Teil im auf das Training von Kampftruppen zugeschnittenen „Heide-Verbund“. Tadge ruft den Verteidigungsminister und die Mitglieder des Verteidigungsausschusses auf, sich von der Logik leiten zu lassen: „Standortentscheidungen aus regional- und lokalpolitischen Gründen mit eventuell vorgeschobenen militärischen Gründen, die bei näherer Betrachtung nicht stichhaltig sind, sind nicht hinnehmbar.“ Der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte sitzt im Verteidigungsausschuss. Als geistiger Macher der Verbund-Idee freut er sich über die Rückendeckung vom DBwV: "Auch ich hoffe, dass es Sachgründe sind, die schließlich den Ausschlag geben werden."