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Celle Ortsteile Wohnen statt reiten in Wietzenbruch?
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Wohnen statt reiten in Wietzenbruch?
15:41 02.06.2017
Von dem geplanten Neubaugebiet in Wietzenbruch ist auch die Jugendhilfeeinrichtung VRH betroffen. Wo sonst die Pferde grasen, sollen demnächst neue Wohnhäuser stehen. Die Vorsitzende Ursula Mehls fürchtet, um die Zukunft der sozialen Einrichtung.  Quelle: Oliver Knoblich
Wietzenbruch

Vor 42 Jahren hat Mehls gemeinsam mit ihrem Ehemann Andreas die Gemeinnützige Gesellschaft für therapeutisches Reiten und Heilpädagogik Celle (VRH) gegründet. Die Jugendhilfeeinrichtung VRH in Wietzenbruch ist das Zuhause für 20 Kinder und Jugendliche und rund zwei Dutzend Pferde, die in den Stallungen auf dem Gelände untergebracht sind. Doch dunkle Wolken ziehen auf. Die heilpädagogische Arbeit der Einrichtung steht auf wackeligen Beinen. Während jetzt noch die Pferde glücklich über die angrenzende Weide traben, sollen hier bald neue Wohnhäuser entstehen. „Wir haben die Wiese von der Stadt gepachtet“, sagt Mehls. Nur durch Zufall habe die 79-Jährige von der Planung des Neubaugebietes „Am Regeberg“ erfahren.

Das habe weitreichende Konsequenzen für die heilpädagogische Arbeit der Einrichtung, befürchtet die Vorsitzende. „Drei Hektar des natürlichen Lebensraums unserer Pferde würden damit wegfallen.“ Es müsse das angrenzende Waldstück abgeholzt werden, um den Pferden ein neues grünes Zuhause zu geben. „Wir könnten auch nicht mehr so viele Pferde unterbringen“, schlussfolgert Mehls. Die Pferde seien das Fundament der pädagogischen Arbeit der VRH. „Die Kinder und Jugendliche, die bei uns aufgenommen werden, kommen aus schlimmen sozialen und emotionalen Verhältnissen“, sagt Mehls. In den verschiedenen Wohngruppen erleben die Kinder zum ersten Mal so etwas wie ein Zuhause.

Klare Regeln und feste Aufgaben geben den Kindern einen strukturierten Tagesablauf. Die Versorgung der Pferde und Kamerunschafe gehört ebenfalls dazu. Oft seien die Kinder durch ihre schlimme Vergangenheit verschlossen, doch über die Tiere würden sich die Kinder öffnen. Neben dem heilpädagogischen Reiten bietet die Einrichtung auch normalen Reitunterricht an. „In der Stunden werden die Kinder, die bei uns leben, zusammen mit anderen Kindern unterrichtet“, erläutert die 79-Jährige. Der positive Effekt sei das „voneinander Lernen“.

„Genau wissen wir selbst noch nicht, was auf uns zukommt“, sagt die Vorsitzende. Im Flächennutzungsplan ist das Gelände als Wohnbaugebiet ausgewiesen. „Unter anderem deshalb, weil es sich inmitten weiterer Wohngebiete befindet“, sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. Aus städtischer Sicht sei das Vorhaben des Projektentwicklers, der die private Fläche erworben hat und als Bauland anbieten will, sinnvoll und vorstellbar. In der Sitzung am 18. Mai hat der Rat den entsprechenden Aufstellungsbeschluss gefasst. „Das Bauleitverfahren und die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung laufen“, erläutert Meißner. Stadtbaurat Ulrich Kinder wolle sich jetzt vor Ort von der Situation der VRH überzeugen.