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Celle Ortsteile Wolfgang Krüger aus Bostel dokumentiert Morde von Serientätern
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Wolfgang Krüger aus Bostel dokumentiert Morde von Serientätern
17:48 08.04.2016
Von Andreas Babel
Bostel

Auch während der NS-Diktatur trieben Serienmörder ihr Unwesen in Deutschland. Einer von ihnen konnte sich sogar zehn Jahre lang der Festnahme entziehen. Krüger stellt die Verbrechen, ihre Aufklärung und ihre Aufarbeitung und Aburteilung vor Gericht in den Vordergrund.

Der Autor schildert die Verbrechen einer westfälischen Raubmörderbande, die in den Zeitungen als Raubmord-GmbH bezeichnet wurde und 1932 und 1933 das westfälische Industriegebiet zwischen Hagen und Dortmund heimsuchte. Mit fingierten Zeitungsannoncen lockte sie Frauen an und ermordete vier von ihnen, um sie ihrer Habseligkeiten zu berauben.

Die Frauenmorde des Münchner Triebtäters Johann Eichhorn werden ebenso detailliert geschildert. Seinen ersten Mord beging er 1931, doch erst 1939, nach vier weiteren Morden, wurde er gefasst. Der Reichsbahner nutzte seine Freizeit vor und nach der Schicht, um auf die „Jagd“ nach Frauen zu gehen. Fünf überlebten sie nicht, vielmehr wurden sie ermordet, drei von ihnen auch verstümmelt.

Am Rande des Schwarzwaldes trieb in den Jahren 1935 bis 1937 der Serienmörder Josef Schäfer sein Unwesen. Die Fahndung nach dem Mann führte zu einer sieben Tage dauernden Treibjagd durch die verschneiten Wälder nordwestlich von Rottweil. Drei seiner Opfer ermordete er, um sich ihre Ausweispapiere anzueignen. Das vierte Opfer war seine Geliebte, die ihm lästig geworden war.

Besonders empörende Morde beging der Melker Rudolf Zimmermann im Frühjahr 1940: Er lockte in der Mark Brandenburg, in Magdeburg und im sudetendeutschen Egerland nach und nach vier kleine Mädchen an,ende verging sich an ihnen und ermordete sie. Sogar der Chef des Reichssicherheitshauptamtes Heydrich schaltete sich ein, weil ihm die Kindesmorde im „Siegessommer“ unangenehm waren.

Ein ebenso schlimmes Scheusal war der Berliner S-Bahn-Mörder Ogorzow, wie Eichhorn Reichsbahner, der 1940 und 1941 in den südöstlichen Bezirken der Reichshauptstadt aus sexuellen Motiven Frauen in den kriegsbedingt verdunkelten Abteilen überfiel und sie aus dem Zug stieß. Fünf Opfer überlebten den Sturz nicht. Dem Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, waren die vielen unaufgeklärten Morde sehr peinlich, sah man doch die Partei nicht in der Lage, die Berliner Frauen zu schützen. Doch die Arbeit der Kriminalpolizei führte eine Woche nach dem letzten Mord endlich zur Ergreifung des Triebmörders.

Als letzten Fall schildert Krüger den eines in einer Osnabrücker Gärtnerei beschäftigten polnischen Fremdarbeiters, der im Jahre 1941 drei seiner Landsleute ermordete, sie beraubte und die Leichen auf dem Betriebsgelände verscharrte.

Alle Täter überlebten ihre Verbrechen nicht lange: Sie wurden sämtlich hingerichtet. Das überaus spannend geschriebene Buch ist für Zartbesaitete ungeeignet, schildert es doch scheußliche Morde, unter anderem an Kindern. Es gewährt dennoch sehr anschaulich Einblicke in die Ermittlungsarbeit der Polizei und die Strafjustiz während der nationalsozialistischen Herrschaft.