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Celle Ortsteile Zehn Jahre Rauchverbot: Dicke Luft statt blauer Dunst in Celler Kneipen?
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Zehn Jahre Rauchverbot: Dicke Luft statt blauer Dunst in Celler Kneipen?
18:34 05.01.2017
Von Carsten Richter
Zum Qualmen geht esin den Raucherraum:Felix Griesing, Moritz Bous und Fabian Müller (vonlinks) im „Rio‘s“.
Celle-Altstadt

Seit zehn Jahren gibt es nun in Deutschland das Rauchverbot in Gaststätten. Wie dies im Einzelnen umgesetzt wird, blieb jedoch von Anfang an den Ländern überlassen. In Niedersachsen sind Einrichtungen mit einer Größe von weniger als 75 Quadratmetern vom Rauchverbot ausgenommen. Weitere Auflagen: Zutritt ist erst ab 18 Jahren und es darf kein Essen angeboten werden.

Und so handhaben es auch die Celler Gastronomen ganz unterschiedlich. Im „Blauen Engel“ ist im Restaurant das Rauchen untersagt, im Innenhof dagegen darf nach Herzenslust gequalmt werden. Michael Weich freut‘s: „Schon praktisch, dass man bei Regen und Kälte nicht nach draußen muss“, sagt er und zündet sich eine Zigarette an. Der 52-Jährige ist Stammgast, kommt vier Mal pro Woche. „Wer das nicht kennt, guckt erstmal komisch, wenn ihm der Rauch entgegen kommt.“

Nicht überall können sich Raucher und Nichtraucher so einfach aus dem Wege. Ein paar Ecken weiter, in der „Kleinen Apotheke“ an der Rundestraße, sitzen drei Männer auf Barhockern. In der urigen Kneipe wird geknobelt, sich unterhalten, Bier getrunken. Außer Gläsern und einem Würfelbecher liegen auch Zigarettenschachteln auf dem Tisch. Prompt zünden sich Oliver Kapitza (48) und Michael Kreft (46) eine Kippe an.

Beinahe täglich kommen sie hierher, aber nicht nur, weil im gesamten Bereich geraucht werden darf. „Wir gehen dorthin, wo es gemütlich ist“, sagen sie übereinstimmend. Paul Otte (81) ist der einzige Nichtraucher am Tisch. „Der Qualm stört mich nicht. Bis vor zwei Jahren habe ich ja selbst geraucht.“ Tatsächlich herrscht in der Kultkneipe ziemlich dicke Luft. „Viele Gruppen, die aus Nordrhein-Westfalen (NRW) zu uns kommen, finden das toll. Selbst Nichtraucher sagen: Endlich mal eine Raucherkneipe“, fügt Wirtin Lorette Kühn ein. Anders als in Niedersachsen, gibt es in NRW ein absolutes Rauchverbot.

Als 2007 das neue Nichtraucherschutzgesetz eingeführt wurde, war der Aufschrei auch in Celle groß. „Gastronomen klagten über Verluste, doch das hat sich relativiert“, bilanziert Benno Eisermann, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands im Kreis Celle. „Jetzt kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass in Restaurants mal geraucht wurde.“ Einziges Ärgernis: Bei geschlossenen Gesellschaften dürften Gastgeber nicht entscheiden, ob geraucht werden darf. „Es ist grundsätzlich untersagt“, so Eisermann.

Im „Rio‘s“ sind die beiden Raucherräume vom Nichtraucherbereich getrennt – eine verschließbare Tür gibt es aber nicht. „Ab 2 oder 3 Uhr, wenn kaum jemand mehr da ist, darf man auch rund um die Bar rauchen“, sagt Angestellter Ken Rodenwaldt. „Viele kommen, weil wir so locker damit umgehen.“

Letztlich ist für die meisten ohnehin wichtiger, wo die Freunde gerne hingehen oder die Atmosphäre nett ist. So auch im „Fachwerk“ an der Schuhstraße. „Hier ist eh meine Lieblingskneipe“, sagt Dragan Popovic. „Dass man hier rauchen darf, ist allerdings das i-Tüpfelchen“, so der 34-Jährige.