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Celle Ortsteile Zwei Winser radeln durch die kanadischen Rocky Mountains
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Zwei Winser radeln durch die kanadischen Rocky Mountains
12:51 22.09.2017
Frank Haake (links) und Detlef Daps radelten in diesem Sommer 2095 Kilometer durch die kanadischen Berge. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Winsen (Aller)

Vor einigen Wochen kamen sie ein wenig erschöpft und jeweils um rund fünf Kilo leichter, aber hoch zufrieden von ihrer Radtour zurück, auf die sie sich fast ein Jahr lang vorbereitet hatten. „Ohne Vorbereitung geht sowas nicht“, sagt Frank Haake und meint damit, dass diese auf mehreren Ebenen erfolgen muss: Körperliche Fitness, mentale Stärke und gutes Material. Zweimal pro Woche trainierten beide intensiv.

Haake und Daps treffen sich mehr oder weniger regelmäßig auf einen Kaffee. Dabei entstand die Idee, mit dem Rad gemeinsam nach Kimberley zu fahren. „Da komm‘ ich mit“, meldete Daps spontan Interesse an und blieb auch dabei, nachdem er mit seiner Frau Ute gesprochen hatte. „Das geht los“, hatten beide ein gemeinsames Ziel: Einen Teil der Rocky Mountains erfahren, Meter für Meter, Höhenmeter für Höhenmeter, Pass für Pass.

Haakes Sohn Henri war 2013/14 für ein Auslandsschuljahr in der Kleinstadt in der kanadischen Provinz British Columbia. In Kimberley war bis 2001 die weltgrößte Blei- und Zinkmine und danach entwickelte sich die Stadt mit einem „bayerischen Flair“, wie Daps und Haake sagen.

„Uns war ganz wichtig, dass wir den Direktflug Frankfurt-Calgary nahmen, denn unser Gepäck und unsere Fahrräder, die wir in Pappkartons verstauten, mussten mit uns ankommen“, betont Haake, der gemeinsam mit Daps im nächsten Frühjahr einen Lichtbildervortrag über die Tour bei der Volkshochschule Winsen anbieten will.

„Den Jetlag haben wir gewaltig unterschätzt, denn die ersten zwei, drei Tage waren wir beide richtig platt“, berichten die beiden Radler über ihre ersten Erfahrungen. „Der Weg von Calgary nach Kimberley sollte eigentlich eine kleine Einradeltour sein“, aber so einfach war es dann doch nicht für die beiden Winser während der ersten Tage in Kanada. „Der Jetlag hat uns ganz schön nach unten gezogen…“, und die Steigung zum Crowsnest-Pass mit 1358 Metern Höhe forderte die beiden Radler früh.

Elko, Cranbrook, Radium Hot Springs, Spillimacheen, Golden, Rogers Pass Revelstoke, Sicamous, Chase, Barriere und Clearwater waren dann ebensolche Stationen wie Blue River, Valemount, Mount Robson, Jasper oder das Columbia Icefield. „Es war einfach einmalig, mit dem Rad Stück für Stück von Kanada zu erkunden.“ Natürlich: „Die Radwegsituation ist nicht so gut wie zu Hause: Wir mussten viele Strecken auf den Highways 1 und 93 zurücklegen.“ Das sind autobahnähnliche mehrspurige Straßen, die die günstigsten Verbindungen darstellen. Parallelrouten gibt es im Gebirge nicht.

Hinzu kam, dass der Qualm von Waldbränden die Sicht auf die Berge teilweise erheblich einschränkte. Besonders auf dem Icefields Parkway. Diese Strecke zwischen Jasper und Banff wird als eine der schönsten Fernstraßen der Welt bezeichnet. „Auch das ist ein Grund, dort nochmal hinzufahren“, findet Detlef Daps.

Die Gegend um Kamloops gilt als Brutkammer Kanadas. Entsprechend nennen Kenner den Ort Desert City. „Bei 44 Grad Hitze war das Radfahren ein Vergnügen besonderer Art“, stellen Daps und Haake mit leichtem Augenzwinkern fest. „Während der ganzen Tour war es wichtig, genügend Wasser dabei zu haben“, sagen sie, denn die Entfernungen zwischen den einzelnen Orten sind mit den hiesigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. „Da dienen die wenigen Tankstellen als wíchtige Versorgungsstationen.“

Ansonsten herrsche dort Natur, sagen beide. Und: Das ist eine Bärengegend. Kein Wunder, dass beide Schwarzbären, Grizzlys und Elche gesehen haben. „Wir hatten zwar unser Bärenspray immer griffbereit, es aber nicht gebraucht. Bei einer Reichweite von etwa vier Metern konnten wir auf einen Einsatz auch gut verzichten“, klingt es erleichtert.

Von Lothar H. Bluhm