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Celle Stadt !Kindermord im Krankenhaus" von Celler Autor neu aufgelegt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt !Kindermord im Krankenhaus" von Celler Autor neu aufgelegt
18:16 04.09.2016
Celle Stadt

1945 waren die Ideen des „Dritten Reichs“ in Deutschland noch nicht verschwunden. Fast ein Vierteljahrhundert später kam es in Celle zu einem Mord, der seine Wurzeln in der NS-Ideologie hatte. Das wurde erst vor wenigen Wochen durch die Recherche des Journalisten Andreas Babel bekannt.

2009 hatte der Redakteur der Celleschen Zeitung enthüllt, dass die langjährige Chefin der Kinderklinik des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle, Dr. Helene Darges-Sonnemann (1911 bis 1998), während der NS-Zeit in einem Hamburger Krankenhaus behinderte Kinder getötet hatte. Diese Kinder wurden damals von staatlicher Seite und sogenannten Gesundheitspolitikern als „Ballast-Existenzen“ und als „lebensunwert“ gebrandmarkt und verunglimpft.

In seinem im Jahr 2015 veröffentlichten Buch „Kindermord im Krankenhaus“ hat Babel nachgewiesen, dass diese Ärztin ihre Sicht auf diese gehandicapten Menschen nie abgelegt hat. In der Neuauflage seines Buches, die jetzt im Verlag „Edition Falkenberg“ erschienen ist, hat der Autor weitere Belege für das unsägliche Wirken dieser Medizinerin zusammengetragen. Das Gravierendste davon: Auf Empfehlung von Darges-Son-

nemann im Jahr 1969 brachte eine junge Mutter ihre Tochter um. Sie drückte Edda ein Kissen auf den Kopf und wartete, bis der wenige Monate alte Säugling, der behindert auf die Welt gekommen war, nicht mehr zappelte.

Das Buch: „Kindermord im Krankenhaus“ von Andreas Babel, Edition Falkenberg (Bremen), 2. Auflage 2016, 240 Seiten mit zahlreichen Fotos, 16,90 Euro, ISBN 978-3-95494-057-8. Es ist im CZ-Kundencenter und im Buchhandel erhältlich.

Vorträge: Am Dienstag, 1. November, 19 Uhr, trägt Babel zu seinen Forschungen in Winsen vor (Anmeldungen bei der VHS Winsen), am Dienstag, 22. November, 19 Uhr, in der Paul-Klee-Schule Celle. Hier wird das ernste Thema durch die Darbietungen der Musikerinnen Elena Kondraschowa (Violine) und Stella Perevalova (Klavier) aufgegriffen.

Von Joachim Gries