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Celle Stadt 100-Jährige aus Celle: Rock ’n’ Roll und jeden Tag einen Apfel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 100-Jährige aus Celle: Rock ’n’ Roll und jeden Tag einen Apfel
16:59 23.06.2017
Sport und harte Arbeit: Elfriede Kesten feiert heute ihren 100. Geburtstag. Quelle: David Borghoff
Celle Stadt

Die Jubilarin wurde am 24. Juni 1917 in Ummern geboren und ist 1953 mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern, ein Sohn und eine Tochter, nach Celle gezogen. Ihr Mann Ernst war im Zweiten Weltkrieg Pilot. Das Paar lernte sich auf dem Flugplatz in Wesendorf kennen. Nach dem Krieg fand Ernst Kesten Arbeit als Postbeamter in Celle und die Familie in der Allerstadt eine neue Heimat.

Schon sehr früh musste die heutige Seniorin mit anpacken. „Meine Eltern waren Landwirte“, erzählt sie. Da wurde jede Hand gebraucht. Ihr Bruder, ihre Schwester und sie selbst mussten helfen. „Ich habe Kühe und Ziegen gehütet“, berichtet die 100-Jährige. „Meine Mutter hat später auch Obst und Gemüse im eigenen Garten angebaut“, sagt Tochter Elvira Kesten. „Daraus habe ich Marmelade gekocht. Die habe ich gern gegessen. Die war so schön süß“, erinnert sich das Geburtstagskind. „Und backen konnte sie“, schwärmt die Tochter. Ihr Butterkuchen, ihre Torten und ihr Frankfurter Kranz seien legendär gewesen und in der ganzen Familie gern gegessen worden. Auch ihre Hochzeitssuppe sei bei Familienfeierlichkeiten stets gut angekommen.

Ihre körperliche Fitness verdanke sie dem Sport und der körperlichen Arbeit, sagt die Seniorin. Vor allem Tanzen sei ihre ganz große Leidenschaft gewesen. „Meine Oma hat auch sehr gern getanzt. Sie hat es sogar Kindern beigebracht“, erinnert sich Elfriede Kesten. Im stolzen Alter von 80 Jahren habe sie selbst noch Rock ’n’ Roll getanzt. Außerdem sei sie oft Fahrrad gefahren und zum Kegeln gegangen. Doch im Alter stellte sich das eine oder andere Zipperlein ein, so dass sie den Sport aufgeben musste.

Das Hören falle ihr zwar etwas schwer, aber ihre Augen sind noch fit. Mit Hilfe einer Brille lese sie noch die Cellesche Zeitung, berichtet Tochter Elvira stolz. Auch spreche ihre Mutter noch sehr gut Plattdeutsch. „Dadurch konnte sie sich früher gut mit den englischen Soldaten verständigen. Weil einige Worte ähnlich wie im Englischen klingen“, fügt die Tochter hinzu.

Heute feiert die Seniorin im Kreise ihrer Familie ihren Ehrentag. „Wir erwarten mehr als 20 Gäste“, sagt Elvira Kesten. Neben ihren beiden Kindern werden auch Enkel und Urenkel der Jubilarin dabei sein. Bedauerlich findet die alte Dame auf ihr langes Leben zurückblickend eigentlich nur, dass die Menschen heute selbstbezogener und egoistischer geworden sind. „Früher hatten die Kinder wirklich nicht viel. Aber von dem Wenigen haben sie immer noch etwas abgegeben“, sagt Elfriede Kesten. „Heute wird oft nicht mehr geteilt.“ Deswegen ihr guter Rat an die Jugend: „Unterstützt euch untereinander und esst jeden Tag einen Apfel.“

Von Simone Gatz