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Celle Stadt 100 Jahre SVO: Vom Stromversorger zum vielfältigen Dienstleister
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 100 Jahre SVO: Vom Stromversorger zum vielfältigen Dienstleister
15:46 18.04.2013
Von Oliver Gatz
Beim Aufstellen von Strommasten war zu Beginn des - vergangenen Jahrhunderts noch viel Muskelkraft erforderlich.
Celle Stadt

Die SVO hat sich in den vergangenen 100 Jahren vom reinen Stromversorger zum vielfältigen Dienstleiter entwickelt. Dabei hat sich das lokal und regional ausgerichtete Versorgungsunternehmen im Wandel der Zeit immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen. Heute bietet die SVO Strom, Erdgas und Trinkwasser sowie ein umfassendes Serviceangebot aus einer Hand an – von Energieberatung bis hin zu Datenfestverbindungen.

Was 1913 mit der Stromversorgung begann, entwickelte sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor: Die SVO beschäftigt heute 374 Mitarbeiter und bildet junge Menschen in zukunftsweisenden Berufen aus. Aufträge bleiben in der Region. Jährlich beauftragt das Unternehmen ein Volumen von 23 Millionen Euro. Davon profitieren regionale Betriebe und Kommunen. Denn die Investitionen sichern auch dort Arbeitsplätze.

Die SVO sieht sich in der Verantwortung zur Gestaltung einer lebenswerten Umwelt. Dazu gehört der Klimaschutz mit der Förderung der Elektromobilität oder dem städtischen Klimaschutzfonds ebenso wie die Unterstützung einer Vielzahl kultureller, sozialer und sportlicher Projekte.

Ein Anliegen der SVO ist die aktive Mitgestaltung der Energiewende. Durch gezielten Netzausbau unterstützt das Unternehmen Anlagenbetreiber vor Ort, dezentral erzeugten Ökostrom ins Netz einzuspeisen. Die Entwicklung ist bemerkenswert: Mehr als die Hälfte des Strombedarfs im Versorgungsgebiet der SVO wird bereits jetzt über erneuerbare Energien erzeugt. Die Bundesregierung sieht dies erst für 2030 vor.

Die SVO hat 245.000 Kunden und kann sich nach wie vor in einem schwierigen Umfeld behaupten. Auch in Zeiten des liberalisierten Strommarktes entschieden sich nach Angaben des Unternehmens mehr als 90 Prozent der Kunden wieder für die SVO. Auch die Kommunen sprachen sich 2011 erneut für die Konzessionsvergabe an den Versorger aus.

Im Zuge gesetzlicher Vorgaben hat sich die SVO in den vergangenen Jahren zur SVO-Unternehmensgruppe gewandelt: Aus einem Unternehmen haben sich drei entwickelt. Unter dem Dach der SVO Holding sind die SVO Vertrieb GmbH als Energie- und Wasseranbieter und die Celle-Uelzen Netz GmbH als Netzbetreiber, ehemals SVO Energie, tätig. Damit sieht sich das Unternehmen gut gerüstet für die Herausforderungen des neuen Energiezeitalters.

Für kontroverse Diskussionen sorgte Ende der 90er Jahre der Teilverkauf der Celler Stadtwerke an die SVO-Mutter Avacon, die zum Eon-Konzern gehört. Dafür erhielt die Stadt ein Aktienpaket im Wert von 94 Millionen Mark. Der ehemalige Oberbürgermeister Martin Biermann ist auch heute noch der Meinung, dass der Deal zum Wohle der Stadt war. „Unterm Strich war das ein sehr lukratives Geschäft, das ich jederzeit wieder machen würde“, sagt er. Über gut zehn Jahre sei dadurch der Stadt ein zweistelliger Millionenbetrag erspart geblieben.

Biermann erinnert an die damalige Ausgangssituation. Ende der 90er Jahre standen die Stadtwerke im Konkurrenzkampf mit der SVO um Abnehmer in der Stadt. „Unsere Goldfische, die wir hatten, drohten alle von der SVO geködert zu werden“, blickt Biermann zurück. Die Zeche hätten die Bürger bezahlen müssen. Denn die SVO habe im Gegensatz zu den Stadtwerken keine Verlustbringer wie Parkhäuser, Celler Straßenbahn und Schwimmbäder unterhalten müssen.

Im Gegenzug für den Teilverkauf von Strom, Gas und die Betriebsführung für die Wasserversorgung erhielt die Stadt Aktien der Avacon AG. In den Folgejahren erzielte sie Einnahmen über die jährliche Dividende, den Wasserverkauf und das Betriebsgelände an der Fuhsestraße, das die Avacon gepachtet hatte. „Wenn wir das nicht gemacht hätten, wären die Stadtwerke längst pleite“, meint Biermann.

Von 2009 bis 2012 war Biermann als Berater für die Eon Energie München tätig. In seiner Funktion beriet er die Vorstände im süddeutschen Raum. Eine Verbindung zum Stadtwerke-Verkauf weist der ehemalige Oberbürgermeister als „böswillig“ zurück. Dadurch wolle man das Geschäft nur diskreditieren.

2011 erhielt die SVO im Rahmen einer Ausschreibung erneut die Konzessionen für die Versorgung mit Strom und Gas in der Stadt Celle. Damit sei die damalige Entscheidung bestätigt worden, meint SVO-Geschäftsführer Wolfgang Fragge. Die Stadt habe dabei ein transparentes Verfahren gewählt.

Zu den Kritikern der Privatisierung gehört der Grünen-Ratsfraktionschef Bernd Zobel: „Der Teilverkauf der Stadtwerke hat für die Celler Bevölkerung auch im Nachhinein nur Nachteile gebracht“, sagt er. „Die Stadtwerke wurden zerschlagen, so dass es keine Chance bei den Verhandlungen zur Konzessionsvergabe 2011/12 gab, die Rekommunalisierung der Energieversorgung zu ermöglichen."

Nach Zobels Ansicht hätte klügeres Handeln in der Vergangenheit der Celler Bevölkerung deutlich mehr Vorteile gebracht. Heute sei die Kommune an der SVO-Netzgesellschaft beteiligt, ohne dass sich die Mehrheitsverhältnisse im Konzern wesentlich verändert haben. „Wir wollen die SVO hier erhalten, aber es muss unser Bestreben sein, den Einfluss der Kommunen in dem Konzern zu erhöhen“, fordert Zobel.

„Die Energie- und Wasserversorgung gehört nicht in private Hände“, sagt der Celler Attac-Sprecher Norbert Wabnitz. „Da stecken Anleger dahinter, die Rendite machen wollen.“ Da sei bei kommunalen Betrieben nicht der Fall. Wabnitz erinnert an steigende Gaspreise der SVO, die insbesondere ältere Menschen mit geringem Einkommen getroffen hätten. Überall, wo es um die allgemeine Daseinsvorsorge gehe, hätten Privatunternehmen nichts zu suchen, meint der Attac-Sprecher.