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Celle Stadt 125 Jahre Bomann-Museum: „Im Mittelpunkt das Celler Schloss“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 125 Jahre Bomann-Museum: „Im Mittelpunkt das Celler Schloss“
15:44 23.06.2017
Der bei der Welfenauktion ersteigerte „Celler Teppich“ Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Dagegen waren die exakt 19.897,60 Euro, für die das Bomann-Museum mit Mitteln des Museumsvereins den „Celler Teppich“ ersteigerte, geradezu ein Schnäppchen. Er wurde beschrieben als „ein großer (316 x 427 cm) bedeutender Berliner Behang mit Wollstickerei zum Gedenken an den 14. April 1867 – Queen Marie of Hanover“. Ein deutlicher Hinweis auf den 50. Geburtstag der Königin.

Der nunmehr im Celler Residenzmuseum zu besichtigende Teppich – so schreibt der Publizist Karl-Heinz Mader in der „Celler Chronik“ – zeigt „in der Mitte das von einem Kranzgebinde aus immergrünem Laub und Heideblüten eingerahmte Celler Schloss (…). Die Krone des Königreichs Hannover, das springende weiße Ross im roten Wappenschild, dazu die aufgenähten, ebenfalls gestickten Wappen des Königs und der Königin sowie das Wappen des Fürstentums Lüneburg, der blau steigende Löwe auf goldenem Grund mit roten Herzen, und das Stadtwappen von Celle schmücken den (…) Teppich.“

Die politische Situation in jenen Tagen – so Mader – stellte sich so dar, dass das Königreich Hannover nach dem preußischen Gesetz vom 20. September 1866 und dem Annexionsgesetz vom 3. Oktober 1866 zu existieren aufgehört hatte und preußische Provinz geworden war. Die Wappen des Fürstentums Lüneburg und der Stadt Celle im Teppich lassen sich aber als „Hinweis auf die Herkunft der Verehrer des Königshauses“ nicht übersehen. Doch können es eigentlich nur Privatpersonen gewesen sein, die keinen Repressionen durch die neuen Obrigkeiten ausgesetzt werden konnten.

Die „Celleschen Anzeigen“ veröffentlichten am 2. Mai 1867 folgende Nachricht, die einen Hinweis auf die mögliche Herkunft des „Celler Teppichs“ gibt: „Ihrer Majestät der Königin Marie wurde (…) auf der Marienburg im Auftrage hiesiger Damen von einer derselben ein prachtvoller Teppich (Stickerei) mit Ansicht des hiesigen Schlosses (…) überreicht.“ Wer waren die welfenfreuen Damen aus Celle? fragte sich Mader und verweist auf die „neue, kleine gesellschaftliche Blüte“, die Celle mit dem Regierungsantritt Ernst Augusts erlebte, nachdem dieser die Stadt zur zweiten Residenz gemacht und das Schloss als Sommeraufenthalt bewohnt habe. Auch sein Sohn Georg V. habe das Schloss genutzt, wo bei besonderen Gelegenheiten auch die „hoffähigen“ Familien (beispielsweise hohe Offiziere und studierte Beamte) der Stadt zugelassen worden seien. Aus dieser Gesellschaftsschicht – vermutet Mader – fanden sich vermutlich jene Damen zusammen, die ihre Verehrung und Liebe zum welfischen Königshaus durch eine wertvolle Handarbeit zum Ausdruck brachten. Es sei allerdings „sehr wahrscheinlich, dass, als die ersten Stiche für den Teppich zum 50. Geburtstag der Königin Marie gemacht wurden, sich noch niemand vorzustellen vermochte, dass das Königreich am Ehrentag der Königin nicht mehr existieren würde“.

Von Rolf-Dieter Diehl