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Celle Stadt 14000 Celler unterschreiben für Frühchenintensivstation
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 14000 Celler unterschreiben für Frühchenintensivstation
17:57 29.11.2010
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

„Das ist wirklich wahnsinnig. Ich bin zu Tränen gerührt.“ So reagierte gestern Nachmittag Professor Dr. Martin Kirschstein, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Allgemeinen Krankenhaus (AKH), auf die Nachricht, dass die Celler Landfrauen in nur zwölf Tagen 14285 Unterschriften für den Erhalt der AKH-Frühchenintensivstation nach Level 1 gesammelt haben. „Das ist eine tolle Unterstützung für uns und zeigt, welchen Stellenwert das AKH in der Bevölkerung hat“, meinte der Chefarzt, der sich bei den Cellern und den Landfrauen auch im Namen der Frauenklinik bedankte.

Die Landfrauenbezirksvertreterin Annemarie Strüber hatte die Unterschriftenaktion spontan vor etwa zwei Wochen organisiert. Damit wendete sie sich gegen die Pläne des Gemeinsamen Bundesausschusses, wegen zu geringer Fallzahlen unter anderem das Celler Perinatalzentrum nach Level 1 herunterstufen zu wollen. Die Folge dieses Schrittes: Ab Januar 2011 dürften in Celle keine Frühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm mehr behandelt werden. Die „kleinen Würmer“ müssten nach Hamburg oder Hannover gebracht werden.

Strüber wusste damals nicht, welche Welle der Unterstützung sie mit ihrer Unterschriftenaktion lostreten sollte. „14285 Unterschriften, das entspricht bald 8 Prozent der Landkreisbevölkerung“, meinte sie, als sie dem CDU-Landtagsabgeordneten Karl-Heinrich Langspecht die Kartons mit den Unterschriften übergab. Und das sind noch nicht alle: „Wir erwarten noch einige Rückläufer und der Sozialverband sammelt in dieser Woche noch weiter“, so Strüber.

Langspecht gab die Listen gestern im niedersächsischen Sozialministerium ab. „Die Menge an Unterschriften hat für großes Erstaunen gesorgt. Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Was die Landfrauen auf die Beine gestellt haben, ist einfach unglaublich“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete, der weiter darum kämpfen will, für das Celler Level-1-Zentrum eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken. „Zusammen mit meinem Kollegen Thomas Adasch und Professor Kirschstein werde ich ein Gespräch mit dem zuständigen Staatssekretär haben“, meinte Langspecht.

Kirschstein will dabei vorbringen, dass andere Bundesländer durchaus Ausnahmegenehmigungen erteilen. „In Schleswig-Holstein erreicht nur die Uniklinik Lübeck die erforderlichen Fallzahlen von 30 Extremfrühchen im Jahr. Damit eine flächendeckende Versorgung von Risikoschwangeren und Frühgeborenen gesichert ist, erhalten die Kliniken in Kiel, Flensburg, Heide und Itzehoe eine Ausnahmegenehmigung. Damit hätte Schleswig-Holstein fünf Level-1-Häuser“, meinte Kirschstein. Zum Vergleich: Niedersachsen mit einer dreimal so großen Fläche wie Schleswig-Holstein und dreimal so vielen Einwohnern soll auf sechs Level-1-Zentren zurechtgestutzt werden.