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Celle Stadt Ein weit blickender und wandlungsfähiger Celler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein weit blickender und wandlungsfähiger Celler
15:53 19.12.2018
Keksfabrikant, Erfinder, Senator und umtriebiger Unternehmer: Harry Trüller im Kreise seiner geliebten Celler Familie. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Erst bäckt man einen leicht gesüßten Hefelaib, dann muss dieser ruhen, danach geschnitten und erneut gebacken werden: Das also ist Zwieback – zwi, also eine zweifach gebackene Hefeteigscheibe. Kennt jeder. Mag fast jeder und bis heute erste Hilfe bei Magengrimmen und, dick mit Butter und Honig bestrichen, Kult unzähliger Kindheiten.

Oberlandesgericht, Zuchthaus und Zwiebackfabrik

Die Verbundenheit Celles mit Zwieback ist eng. Zeitweise hieß es zur Stadt, sie habe dreierlei Vorzüge zu bieten: das Oberlandesgericht, ein Zuchthaus und eine Zwiebackfabrik. Es mag betagten Bewohnern noch der berühmte Werbeslogan der Trüller-Werke im Gedächtnis sein: „Iss immer düller Zwieback von Trüller“. Wenn auch für einige Celler Gemüter der Spruch damals ein sprachliches No-Go war – ein plattdeutsches Wort in einem ansonsten hochdeutsch verfassten Satz – der Zwieback war hier lange Zeit der Inbegriff für die Trüllerschen Markenprodukte schlechthin! Neben dem berühmten „Victoria-Zwieback“ wurden in der Fabrik immer wieder neue Produkte geschaffen, zahlreiche Kekssorten und Waffeln mit so klangvollen Namen wie Heidjer-Schnitten, Celler Ruhm, Sanssouci-Waffeln, Glückstaler, Donauwellen, Schwarzkäppchen, Wunderschmetterlinge oder Wolkenkratzer, aber auch Kakao- und Schokoladenprodukte wie beispielsweise die spätere Kriegsschokolade „Dreibund“ oder die „deutsche Männerschokolade“ gehörten ins kulinarische Angebot.

Aus kleiner Bäckerei Imperium erschaffen

Geboren 1868 im Ortsteil Blumlage, gelang dem Sohn eines Bäckermeisters aus dem Peiner Raum nach Schule, Lehrzeit beim Vater und Wanderjahren von Sachsen bis zum Rhein ein kometenhafter Aufstieg. Zurückgekehrt in die Heimatstadt, fand er eine Anstellung als Geselle im väterlichen Betrieb – und hatte in nur zehn Jahren aus der kleinen Bäckerei ein gewaltiges Imperium geschaffen, das seine Produkte weltweit vertrieb.

Mit Zwieback-Schneidemaschine Grundstock gelegt

Anfang und Grundlage des Unternehmens war neben der Backkunst eine von Harry Trüller selbst entworfene Zwieback-Schneidemaschine, die heute im Celler Bomann-Museum zu sehen ist, bestehend aus einem alten, abgeschliffenen Kreissägeblatt und montiert auf das Gestell einer alten Singer-Nähmaschine. Es war ein Weihnachtsgeschenk für seinen Vater Carl. Später bekam der leidenschaftliche Tüftler dafür vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin die Patentschrift mit der Nummer 59723.

Ausnahmetalent in Sachen Reklame

Georg Wilhelm Carl Harry Trüller, dessen Geburtstag sich am 20. Dezember 2018 zum 150. Mal jährt, vergab stets selbst die innovativen Namen an seine Produkte – er galt als Ausnahmetalent in Sachen Reklame. Zum Victoria-Milchzwieback sagte er mal: „Es gibt wohl kein Fleckchen Erde in der ganzen Welt, wo mein Victoria-Zwieback nicht bekannt – und was davon nicht zu trennen ist – auch beliebt ist.“ Und tatsächlich, sogar im chinesischen Tsingtau war dieser bekannt. Und selbst bei Polarexpeditionen durften die Celler Produkte im Gepäck nicht fehlen.

Frohsinnig, heiter, aber auch aufbrausend

Er war ein frohsinniger und heiterer, wenn auch leicht aufbrausender Unternehmer, der stets gern pfiff und sang. Er liebte es auch, wenn seine Leute während der Arbeit sangen. Zudem war er sehr sozial eingestellt und gründete für seine Angestellten, die „Trülleraner“, im Werk eine Bücherei, Krankenkasse, Reisekasse, Küche und einen Chor. Voller Freude organisierte er auch für sie Werkskegelabende. Er galt in seinem unternehmerischen Denken als so weitblickend wie wandlungsfähig, was ihm dabei half, sämtliche Erschütterungen und Engpässe der Zeit wie den Ersten Weltkrieg oder die Geldentwertung schadlos zu überstehen. Der Not gehorchend produzierte er zwischenzeitlich auch Kommisbrot und Nudeln und erfand die „eiserne Ration“, ein mit Zwieback gefüllter Stoffbeutel als Notfallnahrung für Soldaten. Zahlreiche weitere Unternehmen wie eine Kartonagenfabrik, Kisten- und Fässerfabrik, Druckerei, Buchbinderei und sogar ein eigenes E-Werk sicherten auch in den schlechteren Zeiten unzählige Arbeitsplätze. Und trotz mancher Anfeindungen ließ er sich selbst in dunkelsten Stunden weder beirren, noch unterkriegen – und lebte streng nach seinem Grundsätzen, die er eines Tages sogar schriftlich festhielt, „nicht rückwärts blicken, nur vorwärts schauen und auf die eigene Kraft vertrauen, sorgfältig wägen, dann tapfer wagen und niemals verzagen“. Seine Parole war einfach: allzeit voran.

Sehr kinderliebes Familienoberhaupt

Mit 23 Jahren heiratete Harry Trüller, damals ein schmaler und eher schmächtiger junger Mann, Mathilde Brandes aus der Celler Neustadt, eine zurückhaltende junge Frau, Tochter eines Steuerbeamten und Enkelin eines Küsters und Kantors, dessen Musikalität sie an ihren gesamten Nachwuchs weitervererbte. Fünf ihrer sieben Kinder, zwei Söhne starben früh, erreichten das Erwachsenenalter: Arnold, Elli, Marta, Ilse und Oskar. Das ungewöhnlich kinderliebe Familienoberhaupt Harry Trüller verbot ihnen, die Fabrik zu betreten, wagten sie es dennoch, prasselte stets ein väterliches Donnerwetter auf sie nieder. Umso lieber aber trommelte er seine Schar gern mit den Worten „Allons, enfants“ zusammen und unternahm mit ihnen zahlreiche Ausflüge und Reisen. Der Patriarch wurde den teils heute noch in Celle lebenden Nachfahren als sehr liebvoller, lustiger, humorvoller, origineller, schlagfertiger und leicht erregbarer Familienmensch beschrieben. Er ging oft und gern zur Jagd, hegte eine große Leidenschaft fürs Basteln und Bauen (er ließ mehrere Anwesen in Celle und Umgebung errichten oder restaurieren), liebte Autos und eine für sein typisches Erscheinungsbild braune Ledermütze, lebte mäßig und war doch immer und schnell für Neues zu haben. So flog er etwa auch als einer der ersten Passagiere in einem Zeppelin – von Freiburg nach Friedrichshafen. Er hatte zudem viele Ämter und Sitze inne, im Rat der Stadt ebenso wie in der Celler Freimaurerloge oder dem Verband der deutschen Keksfabrikanten.

Sohn und Frau sterben

Die Jahre 1917 und 1918 waren seine schwersten Jahre – zuerst verlor Harry Trüller seinen ältesten Sohn im Krieg, dann seine Frau, die einem plötzlichen Hirnschlag erlag. Doch auch um seine eigene Gesundheit stand es nicht mehr zum Besten – er hatte Diabetes. 1930 erlitt er einen Schlaganfall, dessen Folgen ihn für die ihm verbleibenden Jahre stark im Gehen behindern sollten. Und schließlich erkrankte Trüller auch an Blasenkrebs. Er wurde von seinen erwachsenen Kindern liebevoll umsorgt, nachdem er sich 1929 von seiner zweiten Frau getrennt hatte, mit der er eine Tochter namens Renate hatte, die jedoch bereits im Kindesalter verstarb. Im Jahr 1929 war dem Unternehmer auch die Ehrenbürgerschaft der Stadt Celle verliehen worden. Mittlerweile zum städtischen Bauamtsleiter (Ehrenamt) und somit zum Senator ernannt, übergab er die Geschäfte aus gesundheitlichen Gründen an seinen Schwiegersohn Dr. med. Heinz Kraft, der die Geschäfte fortan bis 1945 führte. Die Firma war bereits 1923 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, an der alle Kinder aus seiner ersten Ehe gleichermaßen partizipierten.

Tausend Meter langer Trauerzug im Jahr 1934

Senator Harry Trüller erlag seinen Leiden am 13. August 1934. Bei der Trauerfeier im Celler Rathaus wurde ihm viel Ehre zuteil und in einer Rede, die sein Leben noch einmal Revue passieren ließ, beschieden: „Er hat dem Namen Celle in ganz Deutschland einen guten Klang verschafft.“ Die Celler Fahnen hingen auf Halbmast, als ihn ein tausend Meter langer Trauerzug zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Bürgerfriedhof im Stadtteil Hehlentor begleitete.

Firma Nabisco übernimmt 1964

Die Celler Zwieback-Ära währte von 1896 bis zur Produktionseinstellung 1977. Eine Modernisierung und somit ein finanzielles Investitionsvolumen, welches die Möglichkeiten der Familie seinerzeit überstieg, hatte bereits 1964 den Verkauf an die Firma Nabisco in den USA notwendig gemacht. Seit der Schließung Ende der Siebziger Jahre ist die Firma Trüller Teil der noch immer bestehenden Kölner Firma Intersnack.

Bauliche Trüller-Reste im Celler Stadtbild

Fabrikreste wie das E-Werk sind in Celle zu entdecken, das „Trüllerhaus“ in der Innenstadt oder der neuerdings wieder original rubinrot gestrichene Zaun des einstigen Warenmusterlagers, welches der Fabrikant, der als großer Förderer moderner Architektur galt, 1924 vom Celler Architekten Otto Haesler nahe des Französischen Gartens errichten ließ. Ein Denkmal vor den Gebäuden der Fahrgast-Beförderungsfirma CeBus an der Nienburger Straße erinnert an ihn als Initiator der Celler Straßenbahn, die von 1907 bis 1956 das Celler Stadtbild prägte. Die Oskar-Trüller-Stiftung, 1965 gegründet, unterstützt bis heute bedürftige Celler Bürger, die unverschuldet in Not geraten sind.

Straßennamen im Zusammenhang mit Trüller

Trüllers Urenkelin Lore Weise besitzt eine über viele Jahrzehnte liebvoll zusammengetragene „Trüller-Sammlung“, die sie wiederum mit ihren Nachfahren, etwa den beiden Enkelsöhnen Lauritz und Louis, betreut und immer wieder um interessante Exponate ergänzt. Heute erinnern die Meteorstraße (Keksname) an das ehemalige Fabrikgelände und die Trüllerstraße an den großen Unternehmer der Stadt, der neben den bisher beschriebenen Talenten auch eine dichterische Begabung zeigte. Und so schrieb er einst, wohl unterwegs auf Dienstreise, auf einer Postkarte an seinen geliebten jüngsten Sohn Oskar:

Mein lieber Oskar, dick und rund,

bleib immer ruppig und gesund.

Wenn du auch frech wie Oskar bist,

sei darum doch vielmals geküsst,

nicht einmal sondern zwanzig,

von deinem Papa in Danzig.

Von Cosima Bellersen Quirini

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