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Celle Stadt 17-Jähriger ist auf sich allein gestellt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 17-Jähriger ist auf sich allein gestellt
13:51 13.12.2011
Celle Stadt

„Ich kann auch richtig kochen – naja, einfache Sachen zumindest“, sagt Dominik lächelnd, „aber wenn der Tag lang war, dann tut es auch mal Dosenfutter oder eine Pizza“. Nach dem Essen macht sich der Teenager an seine Bücher. Dominik ist ehrgeizig und fleißig. Damit hat er es erfolgreich bis in die Oberstufe des Gymnasiums gebracht und jetzt büffelt er für sein Abitur. Später will er noch mal los zu einem Freund, „was im Internet für mein Referat recherchieren. Mein alter PC ist nur schreibtauglich“.

Seit vergangenem Jahr wird Dominik Hansen vom Jugendamt betreut. Seine beiden Eltern sind in psychischer Behandlung. Weil sie ihr eigenes Leben nicht mehr meistern konnten, wurde ihnen das Sorgerecht über ihren Sohn per Gerichtsbeschluss entzogen. Was der Junge in seiner Jugend alles erlebt und erdulden musste, darüber möchte er im einzelnen nicht sprechen. „Als ich Kind war, war alles noch schön. Später hab ich versucht, ihnen zu helfen...“ Dominik musste viel zu früh Verantwortung übernehmen – nachtragen tut er seinen Eltern nichts.

Weil Dominik schon so selbstverantwortlich und autark ist, hat das Jugendamt zugestimmt, ihn alleine wohnen zu lassen. Seine Einzimmerwohnung ist „second hand“ aber wohnlich eingerichtet. Einiges hat sich der 17-Jährige selbst zusammengebaut. „Hier hab ich ein Zuhause. Ich hab Haushaltsgeld und die Miete plus Nebenkosten werden bezahlt, klappt doch alles“. Mit den zuständigen Betreuern vom Amt kommt er gut aus und ein paar gute Freunde hat er auch. Nur manchmal lässt er den Gedanken, so ganz alleine zu stehen, an sich heran. „Ich hab ein Ziel, man muss vorwärts schauen, jammern und Selbstmitleid bringen nichts“.

Große Sprünge kann Dominik nicht machen. Was für die meisten Jugendlichen seines Alters selbstverständlich ist, muss er sich hart erarbeiten. iPod, Laptop, High-tech-Geräte bleiben Träume. Einen möchte sich der 17-Jährige jetzt erfüllen: Hartnäckig spart er für den Führerschein, dreht jeden Cent zweimal um, trägt Prospekte und Zeitungen aus, übernimmt Aushilfsjobs und Hilfsarbeiten am Wochenende. Dem Sportverein hat er gekündigt –„keine Zeit“. Auch die Monatsbusfahrkarte spart er sich – strampelt statt dessen bei Wind und Wetter die sieben Kilometer in die Schule und zurück auf seinem alten Drahtesel. „Ich halte mich eben so fit,“ sagt er „und bei dem Kurssystem und den unregelmäßigen Freistunden macht Busfahren eh wenig Sinn“.

Von Doris Hennies