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Celle Stadt 350 Schüler aus Celle haken bei Politikern nach
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 350 Schüler aus Celle haken bei Politikern nach
12:52 11.09.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Für Lacher sorgte Ehrhorn bei seiner zweiminütigen Vorstellung, als er sagte, dass er gerne in Bonn als Volksvertreter "für die eigenen Menschen im Land" arbeiten möchte. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann sprach die Schüler direkt an. Sie bewundere die Generation, da sie die meisten Chancen habe, aber auch gleichzeitig die größte Verantwortung habe, etwas falsch zu machen. CDU-Bundestagsabgeordneter Henning Otte will für verlässliche Rahmenbedingungen eintreten.

Mit ihren 31 Jahren betonte FDP-Kandidatin Anja Schulz, dass sie aus "eurer Generation" komme und sagte, dass "Funklöcher die Schlaglöcher der Zukunft sind". Der Älteste in der Runde, Linken-Kandidat Paul Stern, versuchte mit vielen Anglizismen und markigen Sprüchen bei der Jugend zu punkten. Er brauchte nur 30 Sekunden, um seine Ziele "system change not climate change" vorzustellen. Doch die meisten Schüler konnten das nicht ernst nehmen. Grünen-Kandidat Heiko Wundram forderte eine Ökologisierung der Landwirtschaft und den Breitbandausbau.

Den Jugendlichen wurde viel Zeit zum Nachfragen gelassen. Sie nutzten die Gelegenheit, um Ehrhorn zur Rede zu stellen, wie er zu seinem Landesverband stehe und Frauke Petrys Äußerung, Flüchtlinge notfalls mit Waffengewalt zu stoppen. Ein Schüler fragte, wo Deutschland heute ohne Gastarbeiter stehen würde. Ein weiterer wollte wissen, was die AfD von "Regenbogenfamilien" hält. Im Gegenzug wünschte Ehrhorn sich von den Jugendlichen mehr Medienkompetenz und Demokratieverständnis und sprach sich gegen die "Meinungsunterdrückungspolitik" aus. Doch Schulz hielt dagegen und bescheinigte den Schülern eine hohe Medienkompetenz, da diese häufig die Programme der Parteien zitiert hätten.

Die Moderatoren durchbrachen die Fragerunden geschickt mit einem Quiz im Wahl-O-Mat-Stil. So konnten deutlich mehr Themen angesprochen werden und auch bei den anderen Politikern nachgehakt werden. Mit einer Polizei-Kelle zeigten die Bundestagskandidaten, ob sie dafür oder dagegen waren. Lühmann konnte mit ihrer langjährigen Erfahrung im Bundestag punkten, indem sie den Jugendlichen riet, auf die Feinheiten zu achten. "Es gibt keine einfachen Lösungen", betonte die SPD-Bundestagsabgeordnete. Sie wies auf die Beispiele zur Legalisierung von Cannabis, zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben und zu Waffenlieferungen an die Peschmerga im Nordirak. Parlamentskollege Otte sprang ihr zur Seite.

Das Lieblingsthema der Grünen, der Klimaschutz, spielte in der Diskussion keine Rolle. Doch dafür konnte Wundram beim Thema Videoüberwachung als IT-Experte punkten.

Den Jugendlichen hat es gefallen, dass so viele Themen und Standpunkte angesprochen wurden. Lara Wego vom Hermann-Billung-Gymnasium hat sich vor der Veranstaltung mit den einzelnen Wahlprogrammen beschäftigt. "Ich finde, dass es immer schwerer wird, eine klare Meinung zu bilden", sagte die 16-Jährige. Ihrer Ansicht nach sollte es jedes Jahr eine Podiumsdiskussion geben. "Schließlich geht es um unsere Zukunft", betont sie.