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Celle Stadt 50. Allerfackelschwimmen in Celle: Entspannt bei drei Grad treiben lassen (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 50. Allerfackelschwimmen in Celle: Entspannt bei drei Grad treiben lassen (mit Bildergalerie)
13:16 03.08.2018
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Ein wenig schwer ums Herz ist Karl Ströher schon. „Ich bin bis jetzt wirklich jedes Mal mitgeschwommen“, sagt er, und wirft einen fast schon sehnsüchtigen Blick auf die Teilnehmer des Aller-Winter-Fackelschwimmens, die sich gerade am Fuße der Aller-Brücke in Altencelle auf ihren Start vorbereiten. Ströher ist Initiator der Traditionsveranstaltung, die an diesem Samstagnachmittag bereits zum 50. Mal in Celle stattfindet. „Deswegen muss ich mich heute an Land um unsere Ehrengäste kümmern“, erklärt das DLRG-Urgestein. „Aber das Allerschwimmen, das hole ich nach: Mit zwei, drei Kameraden schwimme ich die Strecke nach – und dann wird die 50 voll gemacht.“

Michaela Knoblauch ist am Samstagabend als erste von 250 Teilnehmern beim 50. Fackelschwimmen aus der Aller gestiegen. Zum Jubiläum legten sich die Kostümierten und Floßbauer richtig ins Zeug. -

Seit 1966 gibt es das Winterschwimmen, entsprungen einer Idee der damaligen DLRG-Tauchergruppe, die eigentlich nur ihre Kondition trainieren und die Ausrüstung hatte erproben wollen. Zunächst lediglich als interne Trainingseinheit gedacht, beteiligten sich bald auch Feuerwehr, britisches Militär und die örtlichen Tauchsportvereine am Sprung ins eiskalte Nass – es entstand das Fackelschwimmen, wie die Celler es heute kennen. „Dass aus einem kleinen Training sowas Großes entstanden ist, das ist eigentlich das Schönste an der Sache“, freut sich Ströher. Sein persönliches Highlight: Ein Allerschwimmen bei wahrhaft winterlichen Temperaturen. „Da hatte jeder seine eigene Eisscholle zum Festhalten, so kalt war das“, erinnert er sich.

Rund 250 Teilnehmer sind an diesem Nachmittag gekommen, um sich, teils bunt kostümiert, teils mit abenteuerlich aussehenden selbstgebastelten Wassergefährten im Schlepptau, in die drei Grad kalte Aller zu stützen. Darunter auch Nico Lobenstein von der Ortfeuerwehr Sehnde, der gerade gemeinsam mit seinen vier Mitstreitern eine Plattform ins Wasser befördert, auf der ein kleiner Tischgrill nebst vorbereiteten Würstchen-Spießen wartet. „Na klar, wir wollen unterwegs 'ne Bratwurst essen“, sagt Lobenstein und lacht.

Der jüngste Teilnehmer heute sei 16, der älteste 79, berichtet Mathias Dannenberg, Pressesprecher der DLRG-Ortsgruppe Celle. „Mitmachen kann eigentlich jeder, der über 16 ist und einen Neopren-Anzug mit mindestens sieben Millimetern Dicke hat“, erklärt er, während die Schwimmer am Ufer der Aller schnell noch letzte Vorbereitungen treffen. Da wird hier noch eine Schwimmflosse festgezurrt, da ein Taucherhandschuh übergezogen: „Ich hab schon ein bisschen Angst, dass es mir zu kalt wird“, verrät Teilnehmerin Michelle Schneider. Ach was, beruhigt Dannenberg. „Den Leuten im Wasser ist eigentlich immer wärmer als den Zuschauern an der Strecke.“

Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge gibt schließlich den Startschuss für den Sprung in die winterkalte Aller. In der nächsten Dreiviertelstunde werden sich die Schwimmer die knapp vier Stromkilometer von Altencelle bis hin zur Pfennigbrücke in der Innenstadt treiben lassen, den letzten Teil der Strecke mit brennenden Fackeln in der Hand.

An der Pfennigbrücke wartet derweil schon ein Meer aus Zuschauern. „Das Fackelschwimmen, das gehört zu Celle einfach dazu“, findet Astrid Kleist, die immer wieder gerne mit dabei ist, wenn die Teilnehmer dort die Ziellinie überqueren. „Beim Start war ich noch nie, mir gefällt es hier besser“, sagt sie – wohl nicht zuletzt auch, weil sich die Zuschauer an Ort und Stelle mit Essen und heißen Getränken die Wartezeit versüßen können. „Die ganze Atmosphäre ist einfach schön“, sagt sie. „Was die Schwimmer alles schon mitgeschleppt haben, und welche Kostüme da manchmal dabei sind – toll.“

Als gegen halb sechs an diesem Samstag dann eine einsame Fackel aus der Dunkelheit auftaucht, gibt es stürmischen Applaus. Michaela Knoblauch steigt beim 50. Aller-Winter-Fackelschwimmen als Erste aus dem Wasser – tiefenentspannt und sichtlich happy. „Ich bin schon 25 Mal mitgeschwommen – wurde auch Zeit, dass ich mal als Erste ankomme“, sagt sie und scherzt: „Außerdem habe ich gehört, wer zuerst da ist, für den gibt es noch warmes Wasser in der Dusche.“ Knoblauch ist für den Nordhausener Tauchclub angetreten, und freut sich jetzt auf heißen Tee und ein Stück Kuchen. „Das war ganz schön anstrengend diesmal, ich musste unterwegs ziemlich oft paddeln.“

Von Christina Matthies