Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt 60 Jahre Parkuhren in Deutschland: Mit Marcus Osterloh in Celle auf Suche nach Falschparkern
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 60 Jahre Parkuhren in Deutschland: Mit Marcus Osterloh in Celle auf Suche nach Falschparkern
10:02 17.01.2014
Von Christopher Menge
Bei der Arbeit: Marcus Osterloh von der Stadt Celle verwarnt einen Falschparker. Quelle: Christopher Menge
Celle Stadt

Nicht einmal fünf Minuten ist Marcus Osterloh in der Celler Innenstadt unterwegs, bis er dafür sorgt, dass zehn Euro in die Stadtkasse gespült werden. Genauer gesagt sorgt nicht der 38-jährige Mitarbeiter der Stadt für die Einnahmen, sondern der Fahrer eines silbernen BMWs, der keinen Parkschein gelöst hat. Osterloh ist seit Juli 2012 auf der Suche nach Falschparkern. „Ich bin eine männliche Politesse“, sagt Osterloh lachend, „ich mache den Job gerne – man ist in Bewegung und an der frischen Luft.“

Und das obwohl er gleich Kritik einer älteren Dame erntet. „Um 9.05 Uhr schreiben sie schon auf – das ist perfide und überhaupt nicht kundenfreundlich“, schimpft sie, während Osterloh das Kennzeichen des BMWs überprüft und Beweisfotos macht. „Normalerweise muss der Parkschein gut sichtbar ausliegen“, erklärt Osterloh, „wir gucken aber schon, ob er vielleicht heruntergefallen ist.“ Ist er in diesem Fall aber nicht, so dass Osterloh ein „Knöllchen“ über zehn Euro unter dem Scheibenwischer steckt.

Stadt verdient übereine Million Euro

Vor 60 Jahren wurde in Duisburg die erste Parkuhr aufgestellt. Eine Änderung in der Straßenverkehrsordnung am 1. Mai 1956 gab den sogenannten „Groschengräbern“ dann auch eine rechtliche Grundlage. Zu Spitzenzeiten gab es auch in Celle, wo am 1. Januar 1957 die erste Parkuhr aufgestellt wurde, 450 „Groschengräber“. Heute ist davon nur noch eine übrig. Sie steht im Büro von Jörg-Gerhard Schuster, Teamkoordinator Straßenverkehr der Stadt Celle. Mit der Euro-Umstellung verschwanden die Parkuhren bis 2002 endgültig aus dem Stadtbild. Der erste Parkscheinautomat war in Celle bereits 1982 in Betrieb genommen worden und hatte das Ende der Parkuhren eingeläutet.

Heute sind 26 Parkscheinautomaten in Celle in Betrieb. In den Jahren 2011 und 2012 hat die Stadt dadurch jeweils mehr als 800.000 Euro eingenommen. Hinzu kamen allein in 2012 rund 200.000 Euro an Verwarn- und Bußgeldern für Falschparker. Für das vergangene Jahr konnte die Stadt noch keine Zahlen vorlegen. Da die Mindeststrafe zum 1. April aber von fünf auf zehn Euro erhöht wurde, dürften sich auch die Einnahmen der Stadt noch einmal deutlich erhöht haben.

Anzeige wegenBeleidigung

Osterloh ist einer von zehn Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zur Beobachtung des ruhenden Verkehrs, die in Teil- und Vollzeit die Parkplätze überwachen. Ausreden hat er schon viele gehört. „Meistens fangen sie mit den Worten ,ich war doch nur kurz' an“, sagt Osterloh, „doch wenn die Verwarnung gedruckt ist, kann ich sie nicht mehr rückgängig machen.“ Beschimpfungen müsse er sich dennoch nur selten anhören. „Der Großteil der Falschparker ist friedlich“, so Osterloh, „oft kommt man sogar ins Gespräch.“

Und wenn der Falschparker doch mal unfreundlich reagiere, mache er erst einmal die Ohren zu, sagt er. Nur einmal wurde es ihm zu bunt. „Ein Mann hat mich mal so laut angeschrien, beleidigt und sich auch nicht von Passanten beruhigen lassen, dass ich eine Anzeige erstattet habe“, so Osterloh, „aber das ist nur ein einziges Mal passiert. Später hat sich der Mann entschuldigt. Wenn wir uns heute treffen, unterhalten wir uns nett.“ Anfeindungen gibt es aber auch von Passanten. „Lieber arbeitslos als so einen Job“, bekommt Osterloh schon mal zu hören, „andere sagen aber auch, dass sie froh sind, dass es mich gibt, weil sonst Chaos in der Stadt herrschen würde.“

30 Cent für10 Minuten Parken

21 kostenpflichtige Kurzzeitparkplätze gibt es im Innenstadtbereich. Im Bereich zwischen Schloss, Heiligen Kreuz und Blumlage kostet zehn Minuten Parken 30 Cent. Die Höchstparkdauer beträgt eine Stunde. Am Steintor/Nordwall darf sogar nur eine halbe Stunde geparkt werden, dafür kostet es aber nur 30 Cent pro Viertelstunde. Die Parkplätze, die weiter von der Innenstadt entfernt sind, kosten 30 Cent für eine halbe Stunde Parken. Am längsten darf man mit fünf Stunden am Langensalzaplatz parken. „Auf den Parkscheinautomaten steht alles immer genau drauf“, sagt Osterloh. Bezahlt werden muss montags bis freitags, 9 bis 18 Uhr und sonnabends, 9 bis 16 Uhr. Auf dem Parkplatz „Auf dem Kampe“ muss montags bis sonnabends, 9 bis 20 Uhr ein Ticket gelöst werden. Eine „Brötchentaste“, die kurzes Parken kostenlos bietet, gibt es in Celle nicht. Wer in der Innenstadt parken möchte, sollte auf jeden Fall Kleingeld dabei haben – die Parkscheinautomaten wechseln nicht.

Zwischen 20 und 50 Autos schreibt Osterloh pro Tag auf. „Das ist ganz unterschiedlich“, sagt er, „aber man merkt zum Beispiel, ob Anfang oder Ende des Monats ist.“ Eine Provision bekomme er aber nicht. „Der beste Tag wäre, wenn ich keinen aufschreiben muss“, sagt Osterloh, „dann hätten alle alles richtig gemacht – bisher hatte ich das aber noch nie.“ Dafür hatte er aber schon mal einen Fahrer, der sich nie ein Parkticket holte. „Nach 30 Verwarnungen wurde das Auto dann abgeschleppt“, sagt Osterloh, „die Bußgeldstelle des Landkreises hat sich dann gekümmert.“

Rosa Parkscheibensind verboten

Doch auch mit Parkscheibe oder -schein, kann es für die Autofahrer teuer werden. „Einige Frauen benutzen beispielsweise rosafarbene Parkscheiben, diese sind aber nicht gültig“, sagt Osterloh, „und wer im Halteverbot oder außerhalb der gekennzeichneten Flächen parkt, darf das auch nicht mit einem Parkschein.“ Ohne Parkschein darf man nur parken, wenn eine Ausnahmegenehmigung ausliegt oder wenn man sich über das Parken mit dem Handy registriert und sich ein eingeloggt hat. Das überprüft Osterloh jeweils, bevor er ein „Knöllchen“ ausstellt.