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Celle Stadt 99 Tage bis zum Zapfenstreich in Celler Kult-Kneipe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 99 Tage bis zum Zapfenstreich in Celler Kult-Kneipe
11:25 24.10.2017
Von Michael Ende
Quelle: Peter & Urs Mueller
Celle Stadt

Dann wird es zappenduster – und zwar im wahrsten Sinne. "An dem Tag ist eine totale Mondfinsternis. Da stecken wir aber nicht dahinter", flachsen die Rio's-Betreiber Dawn Doneck und Oliver Müller: "Es ist betrübend und unwirklich, dass das Rio's ab Februar 2018 nicht mehr den Neumarkt beleuchtet und beschallt." Den Wirten bleibe jetzt nur noch, die letzten Monate mit ihren Gästen zu genießen – und "möglichst viel aus dem Fenster zu schauen."

"Traurig": Doneck und Müller machen einen ausgepowerten Eindruck: "Die letzten Wochen und Monate waren sehr aufregend, emotional aufwühlend, sehr schön, aber auch sehr traurig für uns alle." Die Stadt hatte als Eigentümer des Hauses dem „Rio‘s“ zu 2015 den Pachtvertrag gekündigt. Doneck und Müller zogen dagegen vor Gericht, die Stadt reagierte mit einer Räumungsklage, die sie auch in erster Instanz vor dem Landgericht Lüneburg gewann. Die Wirte verzichteten auf eine Berufungsklage, nachdem ihnen das Celler Oberlandesgericht signalisiert hatte, dass sie damit nicht durchkommen würden. Im Gegenzug räumte die Stadt dem Rio's eine Galgenfrist ein.

"Die Gerichtsverhandlung haben wir Ende März 2017 verloren. Eigentlich hätten wir dann sofort schließen müssen", sagt Müller, der als BSG-Ratsherr im Stadtrat gegen den gegenläufigen Ausbau des Nordwalls zu Felde zieht. Bisher ohne Erfolg: "Die Stadt, als unsere Vermieterin, war dann so fair, sich mit uns auf den 31. Januar 2018 zu einigen. Im Frühjahr 2018 soll ja der Ausbau des Nordwalls starten. Diese Entscheidung müssen wir akzeptieren."

Ein neues "Rio's werde es definitiv nicht geben, stellt Müller klar: "Nein. Wir haben uns in den letzten fünf Jahren nach einem alternativen Standort umgesehen. Das passte aber nicht. Für einen Standort in der Altstadt sind wir zu laut – und das ja auch zu später Stunde. Weiter weg als direkt am Rand der City würde unser Konzept 'von morgens bis nachts' nicht funktionieren."

Das „Rio‘s“ steht dem Ausbau des Nordwalls für den gegenläufigen Verkehr im Weg. Noch im März hatte Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) gesagt, dass das Rio's erst Anfang 2018 geräumt werden müsse, "um die Baumaßnahmen am Nordwall termingerecht in Angriff nehmen zu können.“ Rollen dann auch die Bagger? Es sieht nicht danach aus. Es gebe "keinen neuen Sachstand, den man kommunizieren könnte", so die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner auf CZ-Nachfrage. Gemeint ist damit aber nicht, dass es beim alten Sachstand mit dem angepeilten Baubeginn Anfang 2018 bleibe, sondern, dass man gar keinen Termin nennen kann. Noch immer sind nicht alle Immobilien erworben, die man für den Nordwall-Ausbau abreißen müsste.

Und die Rio's-Fans? Was bleibt denen? Vielleicht das, was den "Freedom"-Fans geblieben ist: Erinnerungen und Motto-Partys in der CD-Kaserne. Darauf müsste nur jemand kommen, so Kasernen-Chef Kai Thomsen: "Die Freedom-Party lebt davon, dass sich ehemalige Aktive des Freedoms zusammengetan haben, um eine Party zu gestalten. Die CD-Kaserne tritt hierbei als Unterstützer auf. Wir unterstützen jedes Partykonzept, das Celler organisieren möchten und für das sich die Menschen in der Region begeistern." Also vielleicht auch einmal eine Rio's-Party.