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Celle Stadt AKH: Frühchen-Intensivstation gerettet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt AKH: Frühchen-Intensivstation gerettet
17:38 22.12.2011
Von Gunther Meinrenken
Dr. Gunner Gr¸nning bei einem Fr¸hchen Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), das Selbstverwaltungsgremium von Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern, der maßgeblich Leistungsstandards bestimmt, hatte Mitte 2010 beschlossen, dass ab Januar 2011 nur noch Level-1-Zentren fortbestehen dürften, die mindestens 30 Extremfrühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm im Jahr behandeln. Das hätte für die Frühchenstation des AKH das Aus bedeutet. Zusammen mit 40 anderen Kliniken legte man Klage ein. Bereits im Januar dieses Jahres setzte das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg diesen GBA-Beschluss vorläufig aus. Jetzt ist die endgültige Entscheidung gefallen.

Die Richter in Potsdam bemängelten vor allem, dass ein Zusammenhang zwischen „der Leistungsqualität und der Leistungsmenge nicht hinreichend belegt sei“. Die Festlegung des maßgeblichen Geburtsgewichts von 1250 Gramm sei willkürlich. Eine schallende Ohrfeige für den GBA, der den Beschluss regelrecht ausgeschachert hatte.

Am AKH hatte man in der Zwischenzeit trotzdem reagiert. In einer Absichtserklärung hatten die Kliniken in Walsrode, Soltau und Uelzen ihren Willen bekundet, ihre Frühchen in Celle behandeln zu lassen. Aus Soltau wurde zwar nie ein Frühgeborenes ans AKH verlegt, dafür schloss sich Gifhorn der Vereinbarung an. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Mit Stand vom November haben wir in diesem Jahr 30 Frühgeborene unter 1500 Gramm behandelt, davon hatten 22 ein Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm“, teilte der Chefarzt der Kinderklinik, Professor Dr. Martin Kirschstein mit.

Nach dem Tod mehrerer Frühchen auf der Intensivstation in Bremen wies Kirschstein gestern auch darauf hin, dass die Neonatologie des AKH hygienisch „vorbildlich“ geführt werde. „Die Infektionen werden oft durch Überbelegung verursacht. Bei uns liegen nur zwei Frühchen in einem Zimmer“, so Kirschstein. Berghorn ergänzte, dass das enge Zusammenspiel zwischen der Frauenklinik und der Kinderklinik, das ein Perinatalzentrum nach Level-1 ausmacht, in Celle hervorragend organisiert werde. „Bei Qualitätserhebungen liegen wir landesweit immer unter den ersten drei Kliniken“, so Kirschstein.