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Celle Stadt AKH: Riskante Standort-Debatte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt AKH: Riskante Standort-Debatte
14:18 29.02.2012
Von Michael Ende
Celle Stadt

CELLE. Mitreden wollen sie, und mitreden tun sei. Mitentscheiden wollen sie auch - aber das hat der Wähler nicht gewollt: Wenn es um die Zukunft des Allgemeinen Krankenhauses Celle (AKH) geht, müssen die Unabhängigen in der Celler Politik die Rolle des kommentierenden Zaungastes spielen - seitdem ihr Mitglied Wulf Haack nicht mehr im Aufsichtsrat des AKH sitzt, allerdings ohne aktuelle Insider-Informationen. Das hält die Gruppierung nicht davon ab, Forderungen wie etwa die nach einem AKH-Neubau an der Hohen Wende zu propagieren. Diese Forderung zeuge nicht nur vom dürftigen wirtschaftlichen Durchblick der Unabhängigen, sondern gefährde auch die Modernisierungs-Förderung und somit die Zukunft des AKH, meinen Kritiker.

"Die anhaltende Diskussion über den künftigen Standort des Allgemeinen Krankenhauses bereitet mir erhebliche Sorgen und stößt in Hannover auf völliges Unverständnis", so der Celler Landtagsabgeordnete und AKH-Aufsichtsratsmitglied Thomas Adasch. "In mühevollen Gesprächen mit dem Niedersächsischen Sozialministerium ist es gelungen, Fördermittel, Förderzusagen und Förderabsichten in einem Gesamtvolumen von knapp 30 Millionen Euro zu generieren. Fachleute haben gegenüber dem Aufsichtsrat überzeugend dargelegt, dass sich ein anderer Standort finanziell nicht rechnet."

Das AKH laufe Gefahr, sich im Falle eines neuen Standortes für die zugesagte Förderung "hinten anstellen" zu müssen, erläutert Adasch: "Das würde unsere parteiübergreifenden Bemühungen zur Stabilisierung des AKH in Form einer Stiftung als Alternative zu einer möglichen Privatisierung unter Umständen um Jahre zurückwerfen." Als "geradezu abenteuerlich" empfinde Adasch den Vorwurf , dass der Aufsichtsrat Entscheidungen hinter verschlossenen Türen treffe: "Mir persönlich ist kein deutsches Unternehmen bekannt, dass seine Aufsichtsratssitzungen öffentlich abhält."

Ohne die erforderliche Sorgfalt habe sich der AKH-Aufsichtsrat sich gegen einen Komplett-Neubau auf der grünen Wiese und für die Modernisierung des alten Standorts am Allerufer entschieden, so eine Behauptung der Polit-Außenseiter, die AKH-Aufsichtsratsvorsitzender, Landrat Klaus Wiswe (CDU) vehement zurückweist: "Wer das behauptet, liegt nicht nur falsch, sondern dokumentiert auch, dass er Sachverhalte nicht versteht - man muss sogar sagen: Nicht verstehen will." Denn er habe bereits im Januar dem Unabhängigen-Fraktionsvorsitzenden Udo Hörstmann extra eine vertrauliche Kosten-Gegenüberstellung einer Modernisierung am alten Standort und eines Total-Neubaus zukommen lassen, so Wiswe: "Ich weiß nicht, warum Herr Hörstmann das dort aufgeführte klare Ergebnjs nicht zur Kenntnis nimmt."

Das Ergebnis der der CZ vorliegenden Kostenberechnungen ist, dass ein Neubau mit 250 Millionen Euro um satte 100 Millionen teurer wäre als eine Modernisierung am Siemensplatz. "Wer Geld verbrennen will, der baut neu", sagt deshalb AKH-Vorstandsmitglied OB Dirk-Ulrich Mende (SPD), der zuversichtlich ist, dass das AKH auf dem "richtigen Kurs für die Zukunft" sei: "Wer den sensiblen Umstrukturierungsprozess ständig in die Öffentlichkeit zerrt, tut nichts für das AKH, sondern organisiert das Gegenteil." Das gelte auch für die Forderung der Unabhängigen, für das AKH, das mit seiner derzeitigen Lage auf einer Sondernutzungsfläche bestens bedient sei, einen Bebauungsplan aufzustellen, so Mende: "Einen B-Plan wollen nur diejenigen, die etwas verhindern wollen."