Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Abitur nach Klasse 12: Direktoren sehen Reformbedarf
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Abitur nach Klasse 12: Direktoren sehen Reformbedarf
17:12 13.09.2013
Hin- und hergerissen ist die Diskussion derzeit über die Frage, ob das Abitur nach 12 oder 13 Jahren gemacht werden soll. Quelle: Ulrich Frassl
Celle Stadt

Erst drei Abiturjahrgänge sind in Niedersachsen nach Klasse zwölf verabschiedet worden, da steht die Reform schon wieder auf der Kippe. Auch die von der CZ befragten Schulleiter der Celler Gymnasien sehen Reformbedarf, allerdings wollen die meisten keine generelle Abschaffung, sondern ein Angebot für beides.

Sechs allgemeine Gymnasien gibt es in Celle. Mit einigen Schulleitern hat die CZ gesprochen. Weil die Direktoren sich normalerweise zu so einer politische Frage nicht öffentlich äußern dürfen, sind alle Antworten anonymisiert, um ein realistisches Bild zu haben. Und das ist durchaus sehr unterschiedlich.

So erkennen alle, dass der Wunsch vieler Eltern nach der längeren Schulzeit groß ist, allerdings haben „wir keine schlechten Erfahrungen mit G8 gemacht”, sagt ein Schulleiter. Der Schnitt habe sich nicht verschlechtert. Ein Kollege schätzt, dass das Anwahlverhalten an seiner Schule ungefähr bei 50:50 liegen würde, wenn beide Möglichkeiten zur Auswahl stünden. „Es wäre zwar ein hoher organisatorischer Aufwand, wir wären aber bereit, G8 und G9 anzubieten”, so die Aussage, die von der Erkenntnis getragen wird, dass für einige das etwas langsamere Tempo gut ist. „Für andere aber ist G8 problemlos zu bewältigen und die langweilen sich beim Abitur nach neun Jahren.”

Das Problem für einen weiteren Schulleiter ist, dass „wir gerade erst alles umgestellt haben, wenn wir jetzt wieder zurückgehen, müssen wir wieder alles neu machen. Das gibt ein Tohuwabohu”. Er könnte sich gut vorstellen, dass die Gesamtschulen die Möglichkeit anbieten, nach neun Jahren Abitur zu machen, während an den Gymnasien weiter nach acht Jahren der Abschluss gemacht wird. „Dann aber muss es eine Verschlankung des Lehrplanes geben, wobei jedes Fach etwas abgibt, um auch noch die Möglichkeit zu haben, andere Dinge als das reine Faktenwissen zu vermitteln und nach rechts und links zu schauen”.

Gerade die Wirtschaft, die sich vehement für eine Einführung des Abiturs nach acht Jahren eingesetzt hatte, steuert derzeit um. „G8 hat unsere Erwartungen nicht erfüllt“, sagt zum Beispiel Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall. Jugendliche würden mit Lernstoff gefüllt, sodass für ehrenamtliches Engagement keine Zeit mehr sei. „Kreativität und Selbstständigkeit bleiben auf der Strecke“, so Schmidt.

Doch auch hier gibt es sehr unterschiedliche Ansichten der Celler Direktoren. Während der erste Schulleiter diese Sicht nicht bestätigen kann, sieht ein weiterer „gerade in der siebten bis neunten Klasse, in der auch die Pubertät liegt, eine Verdichtung des Stoffes.”

Genau das ist auch der Grund für einen weiteren Schulleiter, G8 komplett abzulehnen. „Für die besten 20 Prozent gibt es keine Probleme mit G8 und für die normal Begabten ist es machbar, aber nur mit großen Einschränkungen in der Freizeit”, sagt er. Diese aber sei wichtig, denn es müsse auch Muße geben und die leibseelische Reifung sowie die Persönlichkeitsentwicklung, gepaart mit komplexen Denkstrukturen, dauere einfach länger. Nur weil es machbar ist, ist es noch nicht effizient für die Entwicklung.

Tore Harmening

Von Tore Harmening