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Celle Stadt Absage an überhöhte Flächenpreise
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Absage an überhöhte Flächenpreise
15:54 05.12.2011
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

In den vergangenen Jahren hat die Stadt Celle viele landwirtschaftliche Flächen für den Hochwasserschutz und den Bau der Ostumgehung erworben, so dass weitere Flächen, insbesondere Ackerland oder Grünland, zu angemessenen Preisen zurzeit kaum auf dem Grundstücksmarkt angeboten werden. Dementsprechend erhält die Stadt momentan fast nur Angebote über ökologisch bereits hochwertige Flächen, die von den Eigentümern selbst nicht oder kaum genutzt werden können, teilte die Verwaltung mit.

Diese Flächen lassen sich im Sinne der Kompensation oft nur noch geringfügig aufwerten, so dass sie für die Stadt nicht besonders interessant sind. Hinzu kommt, dass das knappe Angebot die Preise in die Höhe treibt. Die Preisvorstellungen der Anbieter lägen häufig deutlich über den aktuellen Bodenrichtwerten, heißt es.

„Wir stellen eine etwas veränderte Lage fest", sagte Wirtschaftsförderer Thomas Faber in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Es werde für die Stadt immer schwieriger, landwirtschaftliche Flächen auf Vorrat zu kaufen, die später in Wohn- oder Gewerbeland oder in Verkehrsflächen umgewandelt werden könnten. Der Eigenbedarf der Landwirte an ihren Flächen habe wieder zugenommen – etwa für den Betrieb von Biogasanlagen oder zur Sicherung der Existenz.

Wie das Neue Rathaus weiter mitteilte, wäre der Ankauf in bestimmten Lagen ebenso wie die Auflösung von Pachtverträgen für einzelne Betriebe existenzgefährdend. Diese Situation spiegelt sich auch im Grundstücksverkehrsausschuss wider. Es werden kaum Kaufverträge über landwirtschaftliche Flächen vorgelegt. Und wenn Grundstücke verkauft werden, geschieht das zumeist unter Landwirten oder Familienangehörigen.

Da aus Sicht der Verwaltung in absehbarer Zeit kein dringender Flächenbedarf etwa zur Ausweisung weiterer Wohn- oder Gewerbegebiete besteht, verzichtet die Stadt auf den Ankauf von Flächen zu Preisen, die deutlich über dem aktuellen örtlichen Bodenrichtwert liegen. Erwartungshaltungen interessierter Verkäufer, deutlich höhere Verkaufspreise erzielen zu wollen, unterstütze man nicht. „Unsere Spielräume haben da Grenzen", betonte Faber.

Die Verwaltung verfolgt derzeit die Strategie, Flächen, die ihr angeboten wurden, auf ihre Nutzbarkeit hin zu prüfen und geeignete Grundstücke dann zu angemessenen Konditionen zu erwerben. Gegenwärtig liegt der Fokus vor allem im Aufbau eines sogenannten Ökopools beziehungsweise Ökokontos – Instrumente, die das Baugesetzbuch vorsieht.

Mit dem Ökopool und Ökokonto lassen sich bereits im Vorfeld von Baumaßnahmen Ausgleichsmaßnahmen vornehmen und auf der Habenseite eines Ökokontos gutbuchen. Nach Angaben der Verwaltung baut die Stadt derzeit einen solchen Ökopool auf, um für kommenden Kompensationsbedarf gerüstet zu sein. „Es wird aber immer schwieriger, Kompensationsflächen zu bekommen", stellte Faber fest. In diesem Jahr konnte die Stadt bereits rund 25.000 Quadratmeter Grünland und Nadelwald günstig ankaufen. Weitere Flächenankäufe stünden kurz vor dem Abschluss, heißt es.